Gesundheit : Medizintechnik: Patienten und Ärzte weltweit vernetzt

Adelheid Müller-Lissner

Computer sind auch in der Medizin allgegenwärtig geworden. Mit ihrer Hilfe werden heute die gewaltigen Aktenberge der Kliniken und Arztpraxen auf Chipgröße komprimiert. Mehr als 1300 Informatiker und Wissenschaftler aus dem Bereich Medizintechnologie sowie Mediziner, vor allem Chirurgen und Radiologen, aus 44 Ländern sind real und nicht nur virtuell in Berlin versammelt, um über "Das digitale Bild des Patienten" zu reden. Beim Kongress CARS 2001 (für: Computer Assisted Radiology and Surgery) im ICC geht es darum, wie die moderne Informationstechnologie zur Unterstützung des ärztlichen Handelns genutzt werden kann.

Wie der Gründer und Veranstalter von CARS, Heinz Lemke vom Bereich Computergrafik und computerassistierte Medizin der TU Berlin bei der Pressekonferenz berichtete, hat das Land Sachsen die Hauptstadt inzwischen überholt und in Sachen digitale Bilder und Telekommunikation in der Medizin bundesweit die Nase vorn: Mit 28 Millionen Mark hat das Land das 1998 initiierte Modellprogramm mit dem sprechenden Namen SaxTele-Med gefördert. Sieben "Leit-Krankenhäuser", verteilt über den ganzen Freistaat, bekamen Zuschüsse für die Anschaffung von Geräten, die die klinikinterne computergesteuerte Informationsverarbeitung und die Vernetzung der Krankenhäuser ermöglichen. Eine "Professional Health Card" macht es den Ärzten möglich, mit den geschützten Daten zu arbeiten. Alle Bilder werden digital archiviert, und schon das ist ein großer Fortschritt, denn "zehn bis zwanzig Prozent aller Patientenbilder gehen heute im Krankenhaus verloren", wie Lemke sagte.

Röntgenbilder per e-mail

Weit revolutionärer ist allerdings, dass etwa Radiologen aus verschiedenen Krankenhäusern und Praxen sich dank der neuen Technik die Aufnahmen ihrer Patienten gegenseitig zur Beurteilung zeigen können. So kann ohne viel Aufwand die "zweite Meinung" eingeholt werden, die viele Patienten aus gutem Grund heute etwa vor einer Operation hören möchten. "Kein Krankenhaus, das nicht zum Museum werden möchte, kann in Zukunft auf solche Systeme verzichten", sagte Lemke.

Ob Computer und sogar Roboter in Zukunft auch in der Therapie als unverzichtbar angesehen werden, ist noch nicht ganz so klar. Friedrich Bootz, Hals-Nasen-Ohren-Sepzialist an der Universitätsklinik in Leipzig, benutzt den Computer längst als "Hilfsmittel zur intraoperativen Orientierung" auf diffizilem Terrain. Orientierungspunkte, die bei CT- und Kernspinuntersuchungen gewonnen wurden, werden zum Beispiel bei Operationen der Nasennebenhöhle mit aktuellen Rückmeldungen über die Lage der Instrumente verglichen. Für diese Orientierungshilfe während des chirurgischen Eingriffs findet Bootz den Ausdruck "Navigation" aber nicht ganz korrekt: "Sie brauchen als Arzt schließlich unverändert Ihre detaillierten anatomischen Kenntnisse."

Roboter ersetzen keinen Operateur

Die Befürchtungen, die Operateure in der Anfangszeit der computerassistierten Chirurgie vorbrachten, haben sich nicht bestätigt: "Die meisten hatten damals Sorge, dass man selbst bald zum Operieren nicht mehr benötigt wird." Inzwischen sind fast die Hälfte der medizinischen Kongressteilnehmer Chirurgen, das Thema nimmt 50 Prozent des diesjährigen Programms ein und die Gründung einer "Deutschen Gesellschaft für Computer- und Roboterassistierte Chirurgie" ist für Sonnabend, den letzten Kongresstag, geplant.

Auch der Patient soll in Zukunft Zugang zu den elektronischen Informationen bekommen. An Lemkes Institut läuft ein Projekt zur Patientenakte zum Mitnehmen: Die Bilder und Befunde sollen dafür durch verständliche Erklärungen bereichert werden. Besonders Menschen mit chronischen Krankheiten, die notgedrungen zu Experten ihres eigenen Leidens werden, dürften sich für die Akte in CD-Rom-Form interessieren.

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