Gesundheit : Mehr Forschung an Fachhochschulen

Bärbel Schubert

Der Wissenschaftsrat hat nachdrücklich den weiteren Ausbau der Fachhochschulen angemahnt. Diese sollten künftig mehr und attraktivere Studienfächer anbieten als bisher, erläuterte der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Karl Max Einhäupl, am 18. Januar auf einer Pressekonferenz in Berlin jüngste Beschlüsse. Darunter könnten auch Fächer sein, die bisher ausschließlich an Universitäten angeboten werden, wie Pharmazie und Zahnmedizin, aber auch mehr duale Studiengänge, die Ausbildung in Betrieben und Fachhochschulen anbieten.

Auch qualitativ sollen die Fachhochschulen nach den Vorstellungen des Gremiumsweiter entwickelt werden und künftig mehr eigenständig forschen. Um das zu unterstützen, empfiehlt der Wissenschaftsrat, ihnen stärker Zugang zu den Mitteln der Forschungsförderung zu eröffnen. Die Grundausstattung für Forschung soll dafür verbessert und "thematisch ausdifferenzierte Forschungsinstitute" gegründet werden.

Zu den Empfehlungen gehört auch, dass wissenschaftliche Mitarbeiter eingestellt werden - was bisher den Universitäten vorbehalten ist. Die Lehrverpflichtung von Fachhochschulprofessoren soll zudem vermindert werden. "Das Pro-Kopf-Lehrdeputat von 18 Semesterwochenstunden ist zu hoch", heißt es in der Mitteilung. Angemahnt wird auch eine "konkurrenzfähige Besoldung" an den Fachhochschulen. Verärgert zeigte sich der Wissenschaftsrat über die anhaltende Weigerung der Innenpolitiker von Bund und Ländern, FH-Absolventen den Zugang zum Höheren Dienst der öffentlichen Verwaltung zu eröffnen.

Ein Masterabschluss der Fachhochschule müsse künftig genauso viel wert sein wie der entsprechende Abschluss der Universität, forderte Einhäupl. Insgesamt möchte der Wissenschaftsrat die Studentenströme stärker an die mehr praxisorientiert ausbildenden Fachhochschulen lenken, weil das der Nachfrage am Arbeitsmarkt entspreche. Der Bedarf an praxisnah ausgebildeten Hochschulabsolventen wird den Prognose zufolge auch in Deutschland künftig steigen.

Außerdem sollen die Universitäten von der Ausbildung entlastet werden, damit dort wieder mehr geforscht wird. Von den knapp eine Million ausgebauten Studienplätzen in Deutschland sind aktuell 23,3 Prozent an den Fachhochschulen angesiedelt. Einhäupl bekräftigte seine Kritik an der geplanten Schließung der Medizin an der Freien Universität Berlin und bot erneut die Vermittlung des Wissenschaftsrates an.

Die von SPD und PDS in ihrer Koalitionsvereinbarung festgelegte Umwandlung des Hochschulklinikums Benjamin Franklin sei falsch und schade dem Wissenschaftsstandort Berlin. Der Wissenschaftsrat berät seit mehr als vier Jahrzehnten Bund und Länder in der Hochschul- und Forschungspolitik. Am 1. Februar übernimmt der Jurist Wedig von Heyden die Stelle des Generalsekretärs und löst Winfried Benz ab, der in den Ruhestand tritt. Von Heyden ist bisher leitender Beamter im Bundesbildungsministerium.

TU Cottbus in der Kritik

Bei seiner jüngsten Sitzung verabschiedete der Wissenschaftsrat eine Stellungnahme zur Technischen Universität Cottbus (Brandenburg). Die TU muss sich demnach wissenschaftlich stärker profilieren. Der Hochschule sei es noch nicht ausreichend gelungen, den Anspruch auf Ausbildung hochqualifizierter Ingenieure zu erfüllen.

Auch leisteten nicht alle Fakultäten eine qualitativ anspruchsvolle, universitäre Forschung. Insgesamt hätten sich Lehrangebot und Forschungsleistungen in den letzten Jahren aber verbessert. Energieforschung und Umweltwissenschaft werden als erfolgreich eingestuft, die Bereiche Kommunikation und Materialwissenschaft dagegen nicht.

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