Gesundheit : Mit Studiengebühren in die Zukunft

Hochschulrektoren und Wirtschaft fordern radikale Hochschulreform

Bärbel Schubert

Hochschulrektoren und Arbeitgeber haben eine radikale Hochschulreform angemahnt. Damit sollen Studiengebühren eingeführt und die Hochschulen weitgehend in die Selbstständigkeit entlassen werden, fordern Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und Arbeitgeberverband (BDA) in einem gemeinsamen Positionspapier.

Die Hochschulen sollten vom staatlichen Gängelband befreit und mit den Ländern Zielvereinbarungen über bessere Lehre und Forschung abschließen, forderten die Präsidenten von HRK und BDA, Klaus Landfried und Dieter Hundt, am Donnerstag in Berlin bei der Präsentation ihres Papiers. Über die Einstellung und Berufung von Professoren und auch über die eigene Rechtsform wollen die Hochschulen zudem künftig allein entscheiden. Das gelte auch für die Auswahl der Studenten.

Mit Hinweis auf die Gebühren-Forderung sprach sich Landfried für „sozial nicht diskriminierende Kostenbeiträge“ der Studenten aus. Hamburgs Wissenschaftssenator Jörg Dräger (parteilos) sagte, beim Thema Studiengebühren gehe es in Deutschland längst mehr um das „Wie“ als um das „Ob“. Hundt hält eine autonome Hochschule ohne eigene Finanzquellen dauerhaft für undenkbar. Die zusätzlichen Einnahmen müssten aber in voller Höhe bei den Hochschulen bleiben und entlasteten den Staat nicht von der Verantwortung für die Grundfinanzierung.

Damit wenden sich Hundt, Landfried und Dräger gegen das Hochschulrahmengesetz, wonach Studiengebühren für das Erst-Studium in Deutschland weitgehend verboten sind. Gegen diese Regelung klagen derzeit mehrere unionsgeführte Bundesländer vor dem Bundesverfassungsgericht.

Ende der Vorschriften-Kaskade

Ein modernes Hochschul-Management mit klaren Zuständigkeiten steht auch auf der Wunschliste von HRK und Arbeitgebern. Das Anfang der 70er Jahre eingeführte Mitbestimmungsmodell der Gruppenuniversität mit ihren „zähen Entscheidungsprozessen“ sei überholt, kritisierte Hundt. Der Staat solle sich aus der direkten Hochschulverwaltung zurückziehen und Arbeitgeber- wie Bauherrenfunktionen den Hochschulen überlassen. Überbesetzte Ministerialverwaltungen dürften die Hochschulen nicht länger „mit Hilfe von Kaskaden von Verordnungen und Verwaltungsvorschriften wie nachgeordnete Behörden behandeln“, verlangte Landfried. Erst dann könnten Universitäten und Fachhochschulen als Motoren gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklung erfolgreich sein.

In Hamburg hat die zuständige Senatsbehörde nach Drägers Worten inzwischen die Genehmigung von Studiengängen und Professorenberufungen bereits an die Hochschulen abgegeben. Für die Grundfinanzierung der Hochschulen sei dort auch nicht mehr die Zahl der Studienanfänger, sondern die der erfolgreichen Absolventen ausschlaggebend – womit die Leistung der Hochschulen honoriert werde. Dräger mahnte zugleich die Hochschulen, die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge beherzter einzuführen.

Weitere Informationen im Internet: www.hrk.de

www.bda-online.de

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