Gesundheit : Mosaik im Kopf

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Der Mandelkern reagiert zwar auf verängstigte und verärgerte Gesichter, mit Glück aber kann diese Hirnregion nichts anfangen. Das Glück entsteht in anderen Hirnteilen. Deshalb kann auch Frau S. durchaus noch Glück empfinden. Frau S. ist auch in der Lage, zu beschreiben, was Angst ist, was sie auslöst, sie kann sogar sagen, was in einer Furchtsituation zu tun wäre – sie kann nur keine Furcht mehr empfinden.

Diese und andere Beispiele zeigen, dass die Welt im Kopf ein Mosaik ist. Nicht nur unsere Gefühlswelt setzt sich aus einzelnen Hirnteilen, die verschiedene, spezifische Emotionen wie Angst oder Glück hervorbringen, zusammen. Auch die Wahrnehmung, die uns so „einheitlich“ vorkommt, setzt sich in Wirklichkeit aus der Arbeit von Dutzenden Spezialisten im Kopf zusammen. Manche Hirnareale haben sich auf das Sehen von Gesichtern spezialisiert, andere können nur Farben oder Bewegungen sehen – für alles andere sind sie blind. Das Gleiche gilt für die Sprache: Manche Hirnareale sind Experten für Grammatik, andere konzentrieren sich darauf, was Wörter bedeuten (Semantik).

Wie die Welt im Kopf trotz dieser Arbeitsteilung zusammenkommt, ist nach wie vor ein großes Rätsel. Denn es scheint keinen Ort im Hirn zu geben, wo alle Informationen einfließen – wie es der Philosoph René Descartes vermutet hatte. bas

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