Gesundheit : Motor der Entwicklung

Forschungsministerin Schavan: Die Wissenschaft fördern, um Europa im weltweiten Wettbewerb nach vorn zu bringen

Uwe Schlicht

Bundesforschungsministerin Annette Schavan hat sich auf dem Leibniztag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften dafür ausgesprochen, Wissenschaft und Forschung als Motor für eine vorausschauende Politik zu nutzen. Die Bundesrepublik müsse erkennen, dass im internationalen Wettbewerb, besonders in den USA, China und Indien, die Forschung in der Entwicklungsstrategie ganz oben stehe. Es wäre schlecht, wenn die Bildung eine negative Entwicklung in der Sozialpolitik nur reparieren würde. Mit diesem strategischen Ansatz will die Bundesregierung in der Zeit ihrer EU-Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2007 Initiativen entwickeln.

Die Ministerpräsidenten der EU hatten verabredet, dass bis zum Jahr 2010 die EU-Länder drei Prozent des Bruttoinlandproduktes für Forschung und Entwicklung ausgeben sollten. Ein Schritt in diese Richtung ist das Innovationsprogramm der Bundesregierung, das mit sechs Milliarden Euro ausgestattet wird. Dieses Programm sei jedoch erst der Anfang und nicht das Ende, um die Wissenschaft als Motor für die Wirtschaft einzusetzen, sagte Schavan. Deutschland könne zu einem „Pionierland“ für Wissenschaft und Forschung werden.

Da für die Verwirklichung dieses Programms zwölf Milliarden Euro benötigt werden, erwartet die Bundesregierung weitere Kraftanstrengungen von der Wirtschaft. Schavan appellierte an die Öffentlichkeit, insbesondere jedoch an die Hochschulen, die jungen Menschen spüren zu lassen, dass die Politik auf sie warte und dass sie studieren sollten. Das wäre die Antwort auf den bevorstehenden Studentenandrang und nicht die Verhängung eines flächendeckenden Numerus clausus. „Ein flächendeckender Numerus clausus wäre ein gigantisches Armutszeugnis und kein Hinweis auf die Innovationsfähigkeit Deutschlands.“

Nicht erwähnt hat die Bundeswissenschaftsministerin bei ihrer Attacke auf die Hochschulen, dass die Drohung mit einem flächendeckenden Numerus clausus nur durch die Handlungsunfähigkeit der Politiker in Bund und Ländern verursacht wird. Nur mit dem Titel „Hochschulpakt 2020“ ohne klare Finanzzusagen über die Ausstattung mit Studienplätzen und Lehrpersonal könne man wenig anfangen, lautet die Kritik aus den Hochschulen.

Günter Stock, Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, wies in seinem Rechenschaftsbericht darauf hin, welchen Beitrag eine moderne Akademie der Wissenschaften für die Gesellschaft leisten kann. Besonders stellte er Fragen der Zukunftssicherung heraus. Für die Beratung von Politik und Gesellschaft eigneten sich Themen wie die Gentechnologie, Wasser, Energieforschung und Ernährungsforschung.

Nur eine Akademie der Wissenschaften könne über zehn bis 15 Jahre eine langfristige Auswertung leisten, Fragen der Risikobewertung beantworten und Sorgen der Bevölkerung aufgreifen. Stock riet der Politik davon ab, mit jedem Regierungswechsel Forschungsthemen einzustellen oder vernachlässigte Themen neu zu beleben. Dieser Aktionismus zeige sich besonders in der Behandlung der Kernforschung.

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