Gesundheit : Neue Leuchttürme für die Wissenschaft

Bulmahn bewilligt 1,6-Milliarden für Forschungs-Großgeräte

Bärbel Schubert

Trotz ihrer aktuellen Finanznöte hat die Bundesregierung grünes Licht für vier neue Großgeräte der physikalischen Grundlagenforschung gegeben. Die Vorhaben haben ein Finanzvolumen von 1,6 Milliarden Euro. „Damit haben wir den Wissenschaftlern Planungssicherheit für die nächsten zehn Jahre gegeben“, erläuterte Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) am Mittwoch die aktuelle Kabinettsentscheidung.

Zwei Projekte können nun unmittelbar starten: Das Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen wird mit dem Bau des Flugzeugs „Halo“ für Klimaforschung und Erdbeobachtung beginnen. Es soll 97 Millionen Euro kosten, von denen der Bund 90 Prozent bezaht. Im Forschungszentrum Rossendorf bei Dresden wird mit einem Magnetlabor das einzige ostdeutsche Projekt entstehen. Seine Forschungsergebnisse sollen beispielsweise zur Entwicklung neuer Datenspeicher beitragen. Der Bund und Sachsen tragen die Investitionskosten in Höhe von 24,5 Millionen Euro je zur Hälfte.

Erfreuliche Nachrichten auch für die Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) in Darmstadt. Sie soll in Stufen zu einem führenden europäischen Physikzentrum ausgebaut werden. Für die Finanzierung des von der GSI beantragten Ionen-Beschleunigers will Bulmahn europäische Partner gewinnen, die sich mindestens zu einem Viertel an den Kosten von 675 Millionen Euro beteiligen. Die endgültige Entscheidung wird nach Bulmahns Worten in zwei Jahren fallen.

Europas Interesse am Röntgenlaser

Dem Forschungszentrum Desy in Hamburg wurde zwar der neuartige Röntgenlaser XFEL bewilligt. Mit dem Gerät sollen unter anderem kleinste Moleküle erforscht werden. Der Projektvorschlag muss allerdings bis zum Jahr 2004 noch überarbeitet werden. Deutschland sei als Standort für das europäische Vorhaben bereit, die Hälfte der Investitionskosten von 673 Millionen Euro zu tragen. Frankreich, Großbritannien, Polen, Russland, Italien und die Schweiz haben nach Bulmahns Worten Interesse an einer Beteiligung. Nur einen Hoffnungsschimmer gibt es dagegen für das andere Desy-Projekt, den Teilchenbeschleuniger Tesla. Mit Kosten von 3,5 Milliarden Euro ist er das teuerste Vorhaben. Tesla soll weltweit nur einmal entstehen. „Ein deutscher Alleingang in der Standortfrage ist dabei weder sinnvoll noch nötig“, so die Ministerin. Am Desy sollen zwar entsprechende Forschungsarbeiten fortgesetzt werden, um eine deutsche Beteiligung an dem Projekt in Zukunft offen zu halten. Doch ob die Bundesrepublik überhaupt Ambitionen hat, Standort zu werden, blieb offen.

Bulmahn folgte mit ihren Entscheidungen weitgehend dem Votum des Wissenschaftsrates, der alle neun geplanten Physik-Großgeräte mit einem Finanzvolumen von fast sieben Milliarden Euro in einem weltweit beachteten Verfahren begutachtet hatte. Allen fünf Projekten, denen das Gremium voll oder mit Auflagen zugestimmt hatte, wurde nun eine Perspektive eröffnet. Entsprechend erhielt die geplante Neutronenquelle ESS keine Bewilligung, die besonders von Nordrhein-Westfalen sowie Sachsen-Anhalt und Sachsen favorisiert wird. „Frankreich und Großbritannien sind an der ESS aktuell nicht interessiert“, sagte Bulmahn. „ESS kann aber wegen seiner hohen Kosten und einer effizienten Nutzung nur als internationales Projekt realisiert werden.“ In zehn Jahren werde sich die Frage auch aus wissenschaftlicher Sicht eventuell neu stellen. Auch die beiden Berliner Vorhaben, der Elektronenlaser für weiche Röntgenstrahlen beim Forschungszentrum Bessy und die Hochfeld-Magnetanlage des Hahn-Meitner-Instituts, erhielten erwartungsgemäß keine Zusage.

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