Gesundheit : Neue Seen: Über 30 Jahre hinweg angelegt: der Brombachsee in Mittelfranken

Sabine Dobel

Seeblick, Seebär, Seerose - kein Zweifel: Der 700-Seelen-Ort Ramsberg ist ganz auf seine neue Rolle eingestellt. Wo früher Felder wogten und Bauern ihre Ernte einbrachten, kräuselt der Wind jetzt das Wasser des Großen Brombachsees. Die Politik hat dem Bauerndorf in Mittelfranken einen See verpasst, und die Ramsberger sind fest entschlossen, ihre Chance zu nutzen. Der Stausee ist Teil des Projekts "Fränkisches Seenland".

In der bisher größten Wasserbaumaßnahme Deutschlands wurden binnen 30 Jahren fünf Seen geschaffen, um die Wasserversorgung Nordbayerns zu sichern. Am 21. Juli wird Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) das 1,3 Milliarden Mark teure Jahrhundertprojekt offiziell seiner Bestimmung übergeben.

"Seeblick" stimme eigentlich gar nicht, räumt der Wirt des so benannten Gasthofs in Ramsberg ein. Denn Gaststube und Terrasse liegen genau zur Hauptstraße hin - den wirklichen Seeblick hat nur das Personal von der Küche aus. Der Gasthof erhielt seinen Namen in Erwartung der künftigen Wasserfläche schon vor etwa 30 Jahren - und damals habe man halt nicht so genau gewusst, wo der See nun liegen solle, meint der Wirt.

Damals war gerade die Grundsatzentscheidung für die Errichtung des Seenlandes gefallen. Am 16. Juli 1970 gab der bayerische Landtag das Startsignal für das Projekt. Die Regierung wollte etwa gleiche Lebensverhältnisse im Freistaat schaffen, Nordbayern verfügte aber nur über ein Drittel der Wasserreserven. Mit dem Seenprojekt werden nun insgesamt 150 Millionen Kubikmeter Wasser aus Altmühl und Donau in das wasserarme Regnitz-Main-Gebiet befördert. Quasi als Nebeneffekt entstand eine völlig neue Freizeitlandschaft.

"Wir stehen dem oberbayerischen Seenland in nichts nach", betont der Geschäftsführer der Touristeninformation "Fränkisches Seenland", Horst Bieswanger. Insgesamt sind Altmühlsee, Igelsbachsee, Rothsee, kleiner und großer Brombachsee mit mehr als 20 Quadratkilometern Wasserfläche größer als Tegernsee, Königssee, Schliersee und Spitzingsee zusammen.

Bereits vor der offiziellen Eröffnung lockt das Gebiet Badegäste, Wanderer, Skater, Radler und Segler nicht nur aus Franken an; allein am vergangenen Wochenende kamen rund 60.000 Ausflügler. Bei den Schwaben wie auch bei den Baden-Württembergern gilt die Region schon jetzt als Geheimtipp. "Da kann man den Ammersee vergessen", urteilt Elisabeth Geisenberger aus Gablingen bei Augsburg über den gerade einmal ein Jahr alten Großen Brombachsee mit seinen natürlichen Sandstränden. Am Ammersee komme man wegen der Privatgrundstücke vielfach nicht einmal ans Wasser, außerdem sei es dort überlaufen.

Übernachteten 1966 in dem späteren Seenland gerade einmal 38 000 Gäste in den rund 300 Betten, so zählte das Gebiet 1999 bei knapp 10 000 bereitstehenden Betten insgesamt 1,1 Millionen Übernachtungen. Hinzu kamen rund eine halbe Million Übernachtungen auf den vier Campingplätzen. "Wir rechnen mit einer weiteren Steigerung der Besucherzahlen von fünf bis zehn Prozent im Jahr", prognostiziert der Seenland-Geschäftsführer Bieswanger.

Nicht alle Bewohner der Region sind allerdings vorbehaltlos begeistert. "Früher gab es hier Natur, beim Wandern war man ganz allein", meint Wenzel Schneider aus dem nahe gelegenen Roth. Am schwersten getroffen hat die Wasserbaumaßnahme elf Familien, die in dem Tal Mühlen und Höfe hatten und umgesiedelt wurden. "Die Heimat fehlt", sagt die 67-jährige Zinta Egerer, deren gemeinsam mit ihrem Mann betriebene Holzmühle im See versank. "Wir können nie mehr zurück, da ist jetzt lauter Wasser."

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