Gesundheit : Novodevihöe kladbi+e Neujungfrauen-Friedhof

Peter von Becker

Wer die in Romanen, Opern und Filmen legendär gewordene Ý russische Seele sucht, muss in die orthodoxen Kirchen gehen. Oder auf den Neujungfrauen-Friedhof. Der heißt wirklich so und bedeutet für Moskau das, was für Paris der Père-Lachaise ist mit den Gräbern von Balzac, Marcel Proust und Jim Morrison. Dieser Friedhof gleicht einer Insel, weil er zum Neujungfrauen-Kloster gehört, das von der Moskwa umflossen wird und mit seinen rot-weißen Kirchen und Türmen eines der schönsten Areale der Stadt bildet. Begründet wurde es am Ort eines Markts, auf dem im Mittelalter Mädchen an die Harems der Tartaren verkauft wurden. Doch interessant ist nur der neue Neujungfrauen-Friedhof außerhalb der alten Mauern.

Bis 1987 war das Gelände für die Öffentlichkeit gesperrt, kein Normalsterblicher sollte den berühmten Toten zu nahe kommen. Hier sind nicht nur die Dichter Gogol und Ý Tschechow begraben, der Revolutionspoet Majakowskij, Michail Bulgakow („Der Meister und Margarita“) oder die Flugzeugbauer Iljuschin und Tupolew, Stalins Frau Nadeschda Allilujewa und Stalins Außenminister Molotow. Auch Nikita Chruschtschow liegt dort, der als erster Ex-Generalsekretär der KPdSU nicht an der Kremlmauer bestattet wurde. Erst Michail Gorbatschow ließ den Friedhof öffnen, worauf alle Welt sehen konnte, dass die Berühmten oder einst Mächtigen in kleinen, schlichten Gräbern ruhen. Meist sind sie nur mit Tannenzweigen geschmückt – doch auf die letzten Stätten von Tschechow oder Majakowskij legen schöne junge Frauen immer wieder auch rote Rosen.

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