Gesundheit : Nur mit gutem Abschluss haben die vietnamesischen Studenten Karrierechancen

U. S.

Das Entwicklungsland Vietnam steht vor einer Bevölkerungsexplosion. Schon heute sind von den 75 Millionen Vietnamesen nahezu 27 Millionen unter 14 Jahre alt. Da wesentlich mehr Menschen geboren werden als sterben (22 Geburten, aber nur sieben Todesfälle kommen auf 1000 Einwohner), wird die 80-Millionengrenze bald überschritten. Eine Folge dieser Bevölkerungsexplosion ist eine Arbeitslosenquote von 25 Prozent.

Die jungen Studenten - etwa 400 000 gibt es in Vietnam - versuchen, ihre Chancen dadurch zu erhöhen, dass sie gleich mehrere Fächer studieren. Außer der Pflichtsprache Englisch lernen sie auch Deutsch und kombinieren das mit Computertechnologie oder Managementtraining, in der Hoffnung, dass eines dieser Fächer später trifft. Welche Qualität die Ausbildung zum Bachelor in Vietnam hat, ist für Deutsche schwer einzuschätzen. Bekannt ist nur, dass die Lehrkräfte an den Hochschulen ein Lehrdeputat von 40 bis 50 Wochenstunden haben und bei dieser exorbitanten Lehrbelastung kaum noch Zeit für die Forschung finden.

Hinzu kommt: Die Hochschuldozenten werden in Vietnam mit 50 bis 60 Dollar im Monat so schlecht bezahlt, dass sie mindestens noch zwei Nebenjobs ausüben müssen, um auf 150 Dollar zu kommen. Das ist für vietnamesische Verhältnisse schon sehr viel, denn der Durchschnittsverdienst liegt in der Bevölkerung bei 30 Dollar.

Der Lehrbetrieb findet in festen Klassen statt. Mehrfach ist zu beobachten, dass vor der Tafel nicht der Dozent den Lehrstoff im Frontalunterricht vermittelt, sondern sich durch seinen Kassettenrecorder "vertreten" lässt. Wer in Vietnam über genügend Geld verfügt oder Verwandte im Ausland hat, schickt daher seine Kinder schon in den letzten Schuljahren, spätestens aber zum Bachelor-Studium, ins Ausland. Und damit ist eine wesentliche Entscheidung für die bevorzugten Sprachen in Vietnam getroffen. Von zwei Millionen Auslandsvietnamesen leben eine Million in den USA, jeweils 200 000 in Frankreich und Kanada, etwa 100 000 in Australien und 32 000 in Deutschland. Bei der vietnamesischen Jugend stehen daher die USA, Australien und Kanada sowie Frankreich ganz oben.

Die Universitäten in Vietnam habe das Bachelor-Studium als Massenstudium organisiert und vor die Zulassung zum Master-Studium so hohe Leistungshürden gesetzt, dass nur eine Minderheit akzeptiert wird. Eine der größten Universitäten des Landes, die Vietnam National University Ho Chi Minh City, hatte 149 404 Studenten im Jahr 1998. Davon befanden sich nur 1124 in der Master-Ausbildung. Die Technische Universität Hanoi, die Teil der Nationaluniversität in Hanoi ist, hat 40 000 Studenten, von denen nur 1000 Master-Studenten sind.

Diese Unterscheidung zwischen Massen- und Elitenausbildung verstärkt den Trend, englisch-sprachige Länder für die Masterausbildung zu wählen. Trotz aller guten Erfahrungen, die die Vietnamesen mit dem Studium in der DDR gemacht haben, können sie heute mit dem Diplom, sobald sie in die Heimat zurückgekehrt sind, wenig anfangen. Selbst wenn Ingenieure und Naturwissenschaftler mit dem Diplom von deutschen Spitzenuniversitäten wie Aachen, Stuttgart, Karlsruhe, München oder Dresden nach Vietnam zurückkehren, werden sie dort vergleichbar einem Bachelor eingestuft.

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