Gesundheit : Physikerpaare in fernen Beziehungen

Kathrin Giese

Liebe im Physiklabor, das ist gar nicht so selten. „Jede zweite Physikerin ist mit einem Physiker verheiratet“, sagt Barbara Sandow, Frauenbeauftragte des Fachbereichs Physik an der FU Berlin. Doch solche Paare haben Probleme an deutschen Hochschulen. Darüber diskutierten jetzt rund 260 Teilnehmerinnen der zehnten Deutschen Physikerinnentagung. Erstmals fand das jährliche Treffen an der Technischen Universität Berlin statt.

„Im deutschsprachigen Raum wird es als persönliches Problem des Paares angesehen, sich zu organisieren. Überhaupt nach einem Platz für den Ehepartner zu fragen, ist verpönt“, erklärt Monika Ritsch-Marte, Biomedizinische Physikerin an der Medizinischen Universität Innsbruck. Bekommt einer der Partner eine feste Stelle, so heißt das noch lange nicht, dass auch der Ehepartner einen Arbeitsplatz an der Universität erhält. In den USA oder in Neuseeland werden Forscherpaare dagegen gerne zusammen an die Universität geholt.

Das starre System bekam auch Ritsch-Marte zu spüren. Sie wurde Ende September als erste Frau zur Präsidentin der Österreichischen Physikalischen Gesellschaft gewählt. Als Doppelkarrierefrau und zweifache Mutter musste sie sogar das Fach wechseln, da sie im gleichen Gebiet forschte wie ihr Mann. In Innsbruck wollte man sie nicht gemeinsam engagieren. In Neuseeland, wo sie an der Universität von Waikato promovierte, ist es anders: Paare können dort zwei Stellen erhalten, die mit eineinhalb Gehältern bezahlt werden.

Auch die diesjährige Preisträgerin des Hertha-Sponer-Preises der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, Ekaterina Shamonina von der Universität Osnabrück, kennt die Probleme, wenn Mann und Frau gleichzeitig erfolgreich sind.

Vor 13 Jahren kam sie zusammen mit ihrem Mann Mikhael Chamonine aus Russland nach Deutschland, um auf dem Gebiet der elektromagnetischen Materialien zu forschen. Heute leben sie in einer Fernbeziehung, weil nicht beide in Osnabrück Stellen bekamen.

Chamonine wurde nach fünfjähriger Arbeit in der Industrie Professor für Sensorik in Regensburg. Der Spagat zwischen Osnabrück und Regensburg fällt der jungen Familie aber nicht leicht, denn der gemeinsame Sohn Alexander ist erst zwei Jahre alt.

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