Gesundheit : Pisa-Forscher lobt die Kultusminister Jürgen Baumert: „Fast eine kleine Revolution“

Anja Kühne/Uwe Schlicht

Sollte Niedersachsen aus der Kultusministerkonferenz (KMK) austreten, würde die Arbeit des Gremiums um Jahre zurückgeworfen. Das ist die Ansicht von Jürgen Baumert, Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Baumert, der auf der Fachtagung „Qualitätsentwicklung im Bildungswesen“ der Kultusministerkonferenz sprach, wandte sich entschieden gegen die Kritik, das Gremium arbeite zu langsam. Das Gegenteil ist aus Sicht des Herausgebers der Pisa-Studie der Fall.

Die KMK habe mit ihren Aktivitäten „fast eine kleine Revolution in der Organisation unseres Gemeinwesens“ eingeleitet. Die KMK, ein wie Baumert betonte, freiwilliger Zusammenschluss der Länder, sei „eines der erfolgreichsten Koordinierungsgremien überhaupt“. Das hohe Arbeitstempo der KMK führe die Landespolitik allerdings an deren „operative Grenzen“. Auch sei darauf zu achten, dass die Reformen „kulturell und sozial anschlussfähig bleiben“: Die besten Reformen führten zu nichts, wenn das Tempo ihrer Einführung die Menschen überfordere, die sie umzusetzen haben.

Baumert lobte, dass sich die KMK seit ihrem Konstanzer Beschluss von 1997 an großen Schuluntersuchungen wie Pisa beteiligt. Die von den Kultusministern verabschiedeten Bildungsstandards für die Schule nannte er eine „Meisterleistung“, an ihr seien Deutschlands beste Wissenschaftler beteiligt gewesen. „Erstaunlich“ sei auch die mehrgleisige Strategie, mit der die KMK sich gleich mehrerer Reformfelder angenommen habe. Die Ziele seien allerdings nicht ad hoc zu erreichen. Auch drücke sich die KMK „ein bisschen“ bei der Reform der Lehrerausbildung. Auf die Frage, wann Deutschland bei Pisa wieder in der Spitzengruppe liegen werde, sagte Baumert, erwartbar sei, dass sieben bis acht Jahre konzentrierter Anstrengungen Wirkung zeigen werden.

Auch die Frage einer möglichen Reform der KMK wurde auf der Tagung diskutiert. Bislang fällt die KMK ihre Beschlüsse nur einstimmig und die Präsidentschaft über das Gremium fällt turnusmäßig an einen Kultusminister der Länder. So können auch Personen an der Spitze der KMK gelangen, die nicht zu einer profilierten Vertretung in der Bildungspolitik fähig sind, meinen Kritiker.

Doris Ahnen, die KMK-Präsidentin, erklärte dazu, die Einstimmigkeit sein kein unverrückbares Prinzip mehr für die KMK. Aber in jedem Fall müssten Beschlüsse der Kultusminister auch weiterhin in allen 16 Ländern umgesetzt werden. Es wäre nicht zu verantworten, würden Bildungsstandards nur in 14 Ländern umgesetzt, sagte Ahnen.

Einen „Oberminister“ für die KMK zu wählen, lehnte sie indes ab. Die KMK sei ein Koordinierungsgremium der Länder. Deswegen spreche vieles dafür, dass das Präsidentenamt wie bisher in einem Turnus wechselt. Der saarländische Kultusminister Jürgen Schreier (CDU) betonte, das Saarland habe nicht die Absicht, aus der KMK auszutreten. Wohl aber habe das Saarland ein Interesse an der Reform der KMK. Und dazu sei Druck nötig.

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