Gesundheit : Potsdamer Forscher klärt Herkunft von Bergkristallen auf

Thomas Loy

Roland Oberhänsli ist Experte für das "Versenken von Gesteinen". Das ist die einfache Umschreibung für komplexe Vorgänge beim Ineinanderdriften tektonischer Platten. Manchmal beschäftigt sich der Potsdamer Mineraloge, ein gebürtiger Schweizer, aber auch mit den Steckenpferden preußischer Herrscher. Friedrich der Große beispielsweise hatte sich seinerzeit ins Bergkristall verguckt, das zwar von geschliffenem Glas kaum zu unterscheiden ist, aber dafür wesentlich teurer und schwerer zu beschaffen war. Die Kronleuchter für seine Potsdamer Schlösser ließ er in Paris mit hochwertigen Bergkristallen aus Mailand behängen.

Mit den Jahren fielen einige Ornamente herab, zerbrachen und wurden durch einfaches Bleikristall ersetzt. Heute versucht die Schlösserstiftung, die Leuchter originalgetreu zu restaurieren. Doch dazu musste zunächst die Herkunft der Bergkristalle, mineralogisch zu den Quarzen gehörig, geklärt werden. Zwar wurden im gesamten Alpenraum Quarze abgebaut, aber die chemische Zusammensetzung eingeschlossener Flüssigkeiten und Gase ist je nach Fundort unterschiedlich. Jede Quarz-Mine, im Fachjargon Klüfte genannt, brachte eine typische Art von Bergkristall hervor. Der Sanssouci-Quarz ist von höchster Qualität und Reinheit, besitzt starke Leuchtkraft und kommt entsprechend selten vor.

An dieser Stelle schaltete sich Roland Oberhänsli ein. Er nutzte seine guten Beziehungen zu Kollegen in Basel, die schon seit Jahren Quarz-Charakteristika in den Alpenregionen untersuchen. Mit ihrer Hilfe konnte das Herkunftsgebiet der Potsdamer Steine eingegrenzt werden. Weitere Indizien brachten Archivrecherchen in Mailand, die Dokumente über den historischen Quarzhandel zu Tage förderten. Das Resultat: Friedrichs Bergkristalle schlummerten einst am Südrand des Aarmassivs in den Schweizer Zentralalpen. Fünf Klüfte lassen sich dort für die Zeit um 1750 nachweisen. Sie sind allesamt längst ausgebeutet und stillgelegt. Damit wäre die Geschichte eigentlich zu Ende, doch Oberhänsli macht den Restauratoren Hoffnung. Auch wenn in den historischen Klüften kein hochwertiges Quarz mehr zu finden ist, so gebe es in der Region immer noch Bergleute, so genannte Strahler, die nach Bergkristallen suchen. Eine zweite Chance wäre der geplante Bau des Basistunnels durch die Schweizer Zentralalpen. Dabei könnten Quarze quasi als Abraum anfallen. Doch diese Beschaffungsfragen treiben den gebürtigen Schweizer nicht mehr um. "Das Projekt ist für uns jetzt abgeschlossen." Geologe Oberhänsli ist gedanklich schon wieder in China oder der Türkei, in den Tiefen der Erdkruste.

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