Gesundheit : Professor mit der Maus

Der Ingenieur Matthias Kleiner ist neuer Chef der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Tilmann Warnecke

Bisher hat Matthias Kleiner sich damit beschäftigt, mit welchem Material man Hochgeschwindigkeitszüge leichter – und damit auch schneller und effizienter – werden lassen kann. Jetzt ist der Dortmunder Umformtechniker einer der mächtigsten Männer der deutschen Wissenschaft. Gestern wählten ihn die Mitglieder der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zu ihrem neuen Chef. Der 51-Jährige tritt die Nachfolge des Münchner Biochemikers Ernst-Ludwig Winnacker an – und ist damit der erste Ingenieur, der an der Spitze von Deutschlands wichtigster Forschungsförderungsgesellschaft steht.

Mit Kleiner wird seit langem wieder ein Wissenschaftler die DFG führen, der nicht aus den großen Forschungshochburgen des Landes kommt. Er ist ein Kind des Ruhrgebiets: Kleiner ist in Recklinghausen geboren, studierte, promovierte und habilitierte sich in Dortmund und ist dort seit 1998 Professor. Sein bisher einziger Abstecher führte ihn nach Brandenburg: In Cottbus baute er von 1994 bis 1998 die Brandenburgische Technische Universität mit auf. Dort erhielt er den Leibniz-Preis, den deutschen Nobelpreis. Er sei auch ein begeisterter Hochschullehrer, heißt es in Cottbus, der gerne zu unkonventionellen Mittel greife. So zeigt er seinen Studierenden auch mal gerne die Sendung mit der Maus, „weil dort Sachen einfach, aber nicht verkehrt dargestellt werden“, wie er sagt.

Auf die Dauer konnte die kleine brandenburgische Uni ihn aber nicht halten. Er brauche „ein industrienahes Umfeld“ für seine Forschung, heißt es – was Cottbus ihm nicht bieten konnte.

Dennoch seien die Erwartungen an Kleiner gerade in den neuen Bundesländern hoch, sagt der Cottbuser Umweltforscher Reinhard Hüttl, der bis vor kurzem Vorsitzender der Wissenschaftlichen Kommission des Wissenschaftsrates war. Schon jetzt sei klar, dass der Osten nicht zu den großen Gewinnern im Exzellenz-Wettbewerb unter den deutschen Universitäten gehören werde. Kleiner müsse dafür sorgen, dass „die neuen Länder nicht den Anschluss verlieren“, fordert Hüttl.

Tatsächlich wird der Elite-Wettbewerb wohl Kleiners größte Aufmerksamkeit beanspruchen, die DFG ist für dessen Organisation verantwortlich. Nicht nur im Osten, sondern in der ganzen Republik wird es mehr Verlierer als Gewinner geben. Es wird erwartet, dass die Universitäten ihre abgelehnten Projekte erneut bei der DFG einreichen, um sie in leicht abgespeckten Varianten als Sonderforschungsbereiche oder Graduiertenkollegs fördern zu lassen. Die Hochschulen hoffen, dass Kleiner das Budget für diese Vorhaben kräftig aufstocken wird.

Genau davor warnt aber Jürgen Mlynek, der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, unter deren Dach die wichtigsten außeruniversitären Institute vereinigt sind. Abgelehnte Elite-Vorhaben dürften nicht im Nachhinein von der DFG „zu Lasten anderer Projekte gefördert werden“. Die deutsche Wissenschaft würde sonst viele kleine, aber wichtige Forschungsvorhaben verlieren, warnt Mlynek.

Kleiner müsse vor allem auf „Kontinuität“ zu seinem Vorgänger Ernst-Ludwig Winnacker achten, sagt der Helmholtz-Präsident. Winnacker, der neun Jahre lang DFG-Präsident war, habe ein großes Werk hinterlassen. Neben dem Elite- Wettbewerb gehöre dazu die konsequente Förderung von Nachwuchswissenschaftlern und der Ausbau großer Forschungszentren. Kleiner müsse zudem dafür sorgen, dass Deutschland bei der Neuverteilung der europäischen Forschungsgelder angemessen berücksichtigt werde, sagt Reinhard Hüttl. Auch wenn demnächst die wichtigen neuen europäischen Superforschungseinrichtungen wie der European Research Council und das European Institute for Technology aufgebaut werden, müsse die DFG die Interessen der deutschen Wissenschaft vertreten.

Auf ihrer Versammlung beschlossen die DFG-Mitglieder zudem, den Leibniz-Preis höher zu dotieren. Künftig bekommt jeder Preisträger 2,5 Millionen Euro, die sie in neue Forschungsprojekte investieren sollen. Bisher bekamen die Preisträger 1,5 Millionen Euro.

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