Gesundheit : Prostatakrebs früh erkennen – ein Problem

Elke Bojanowski

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei deutschen Männern. Jährlich kommt es zu rund 40000 Neuerkrankungen. Als zuverlässigstes Werkzeug der Früherkennung gilt seit Jahren das prostata-spezifische Antigen, PSA. Da Krebsgewebe mehr PSA produziert als gutartiges Gewebe, kann die Höhe des PSA-Wertes im Blut Auskunft über das Krebsrisiko geben.

Doch wie genau gibt der Wert Auskunft über diese Krebsgefahr? US-Forscher sind der Frage nachgegangen. Ihre Studie ist im Fachblatt „Jama“ veröffentlicht. Das Fazit: Die Forscher fanden keinen allgemein gültigen PSA-Grenzwert, um gesunde Männer auf Prostatakrebs zu überwachen, sondern eher eine kontinuierliche Zunahme des Krebsrisikos mit der Erhöhung des PSA-Wertes. Je nach Höhe des gewählten Grenzwertes würden entweder zu viele gesunde Männer zu medizinischen Folgebehandlungen veranlasst – oder ein zu hoher Prozentsatz vorhandener Tumore nicht erfasst.

Verschiedene Gründe sprechen gegen das Konzept eines allgemein geltenden PSA-Grenzwertes. Der PSA-Wert erhöht sich nicht nur bei einem Tumor. Gutartige Geschwulste oder Entzündungen der Prostata können vielleicht ebenfalls Ursache dafür sein. Aber auch Alter, ständiges Wachstum der Prostata und andere Faktoren haben Einfluss auf die Höhe des PSA-Wertes.

„Deshalb verwenden viele Kliniken altersgestaffelte PSA-Werte, messen unterschiedliche Formen des PSA“, sagt der Urologe Stefan Corvin von der Uniklinik Tübingen. Auch der PSA-Anstieg über die Zeit oder die Dichte in bestimmten Bereichen der Prostata und deren angrenzendem Gewebe werden berechnet.

Dennoch sind jährliche Bluttests zur Ermittlung des PSA-Wertes für Männer ab 45 Jahren zu empfehlen. Denn wie bei den anderen Krebsarten sind die Heilungs- und Überlebenschancen bei frühzeitiger Erkennung deutlich erhöht.

Neben klassischen Behandlungsmethoden, wie Bestrahlung, Chemotherapie und Operation, eröffnet eine besondere Eigenschaft der Prostatatumoren einigen Patienten eine ungewöhnliche Wahl – die des Nichtstuns. Viele der Tumore wachsen so langsam, sind biologisch so wenig aggressiv, dass sie keinen Einfluss auf die Lebensqualität oder Lebenserwartung haben werden. In diesem Fall darf man allerdings auch nicht auf regelmäßige Kontrollen verzichten, denn für eine verlässliche Prognose des Krankheitsverlaufs fehlen sowohl die biologischen Indikatoren als auch Langzeitstudien.

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