Gesundheit : Protest beim Nachwuchs: "Zum Juniorprofessor gehört der tenure-track"

Bärbel Schubert

Die Junge Akademie fordert weitergehende Verbesserungen beim wissenschaftlichen Qualifikationsweg als bisher angekündigt. "Zum Juniorprofessur gehört der tenure-track", sagte der Sprecher der Arbeitsgruppe Wissenschaftspolitik der Jungen Akademie, Giovanni Galizia, nach einem Gespräch mit Sachsens Wissenschaftsminister Hans Joachim Meyer und dem Generalsekretär des Wissenschaftsrates, Winfried Benz.

Zum Thema Online Spezial: Uni-Start "Die Berufung auf eine unbefristete Stelle muss nach einer positiven Evaluation der wissenschaftlichen Leistungen auch in Deutschland zum Normalfall werden", forderte Galizia. Modell dazu ist der US-amerikanische tenure-track als reguläre Wissenschaftslaufbahn nach der Promotion. Dabei werden Wissenschaftler fließend von befristeten auf Dauerstellen übernommen, wenn sie sich in ihrer Arbeit bewährt haben.

Wenn ein Juniorprofessor tatsächlich selbstständig forschen solle, brauche er dafür eine angemessene Ausstattung mit Forschungsgeräten und Räumlichkeiten. In einem entsprechenden Modellversuch der VW-Stiftung sind für diese Ausstattung jeweils zwei Millionen Mark vorgesehen. "Diese Investitionen lohnen sich für eine Universität nur dann, wenn der Juniorprofessor bei guten Leistungen übernommen wird", erläuterte der Wissenschaftler. Ohne tenure-track-Stellen könne es heute auch einem ausgezeichneten Wissenschaftler passieren, sich nach der Habilitation mit befristeten Projektverträgen "durchschlagen" zu müssen - im Alter von über 40 Jahren.

Differenzen haben die Junge Akademie und Wissenschaftsminister Meyer dagegen in der Haltung zur Habilitation. Während Meyer diese Voraussetzung für eine Professur erhalten möchte, fordern die jungen Wissenschaftler die Abschaffung. Galizia: "Uns überzeugt die frühere Selbstständigkeit".

Derzeit beraten die Gremien des Bundestages über eine Neuregelung des wissenschaftlichen Qualifikationsweges im Hochschulrahmengesetz. Der Bildungsausschuss hatte dem Gesetzentwurf von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) in der vergangenen Woche bereits weitgehend zugestimmt. Vorgesehen ist darin die Schaffung von Juniorprofessoren-Stellen, die dem wissenschaftlichen Nachwuchs früher als bisher die Möglichkeit zur selbstständigen Forschung eröffnen sollen. Die Habilitation als Voraussetzung für eine volle Professorenstelle soll dann entfallen. Ziel ist auch, dass die Qualifikation Mitte 30 abgeschlossen ist. Heute liegt das Durchschnittsalter deutlich über 40 Jahre.

Auch nach dem neuen Recht sollten Hausberufungen aus Sicht der Jungen Akademie nicht zur Regel werden. Promotion und Juniorprofessur sollten nicht an derselben Hochschule erfolgen, meinte Galizia. Ein Wechsel könne gut vor oder nach der Post-Doc-Phase eingeplant werden, die der Promotion folgt.

Einigkeit gibt es bisher aber darüber, dass eine Reform des Qualifikationsweges auch wegen der internationalen Konkurrenzfähigkeit dringend nötig ist. Während der Zeit der CDU/CSU-FDP-Bundesregierung war dieses Vorhaben bereits aufgeschoben worden. Die Junge Akademie gehört zur Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und zur Leopoldina. Sie wurde als Interessenvertretung der jüngeren Wissenschaftler gegründet.

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