Gesundheit : Psychologie: Angst essen Diagnose auf

Bas Kast

Angstpatienten können ihre Gefühle kaum in Worte fassen. Und Ärzten gelingt es nicht, Menschen, die unter krankhafter Angst leiden, als solche zu erkennen. Angst ist unfassbar: Über fünf Prozent aller Hausarztpatienten leiden unter krankhafter Angst, das macht allein in Deutschland 2,3 Millionen Betroffene. Nur ein Drittel von ihnen wird richtig diagnostiziert - und oft fehlt die richtige Behandlung. Das ist das Ergebnis der weltweit größten Studie zum Thema. Ein Psychologenteam hat dazu über 20 000 Patienten und 558 Ärzte befragt.

Angstpatienten werden nicht nur hin und wieder von einer Angstattacke überfallen. Die Angst ist ihr ständiger Begleiter. Sie wachen morgens mit der Angst auf und können nachts wegen ihrer Angst nicht einschlafen. "Angstneurose" nannte man das früher. Heute bezeichnet die Fachwelt die lange namenlose Krankheit als "GAS" oder "Generalisierte Angststörung".

"Die generalisierte Angststörung ist nicht nur genauso häufig wie die Depression, sie hat auch ebenso schwerwiegende Folgen", sagt Studienleiter Hans-Ulrich Wittchen von der Technischen Universität Dresden. Frauen sind nach seinen Worten mehr betroffen als Männer. Von den befragten Patienten litten 4,1 Prozent der Männer und 6,2 Prozent der Frauen unter krankhafter Angst. Nur die wenigsten von ihnen bekommen eine wirksame Behandlung. Das Problem beginnt mit der Diagnose: Meist wissen die Betroffenen selbst nicht, dass sie krank sind. "Die Patienten stellen körperliche Beschwerden wie Schlaflosigkeit oder Muskelverspannung in den Vordergrund", so die Forschergruppe. Nervosität, Grübeln, Äußerungen wie "Ich kann irgendwie nicht mehr" oder "Vor Sorgen kann ich nie mehr richtig schlafen" - das sind die unscheinbaren Anzeichen einer krankhaften Angststörung.

Für ein Gespräch fehlt oft schlicht die Zeit. "Deutsche Hausärzte sehen durchschnittlich 64 Patienten pro Tag - dies lässt kaum Spielraum für ein vertiefendes Gespräch", so die Psychologen. Wird der Patient richtig diagnostiziert, hapert es häufig an der adäquaten Behandlung. Nur bis zu knappe 20 Prozent bekommen die richtigen Medikamente. Oft fehlt eine effektive Verhaltenstherapie. Nicht selten verschreiben die Ärzte "Mittel mit fraglicher Wirksamkeit, zum Beispiel pflanzliche Präparate", so Wittchens Gruppe. Um die Situation zu verbessern, schlägt sein Team eine verstärkte Weiterbildung der Ärzte mit Fallbeispielen vor, sowie die Einführung einfacher Angst-Fragebögen.

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