Gesundheit : Querdenken für die Zukunft

Sechs Frauen gewinnen Deutschen Studienpreis

Dagny Lüdemann

Mit einem goldenen Spaten in der Hand steht Christin-Melanie Fuchs auf der Bühne. Diese Trophäe hat sie für ihre empirische Studie über kulturelle Konflikte bekommen, die auftreten, wenn Deutsche in Brasilien arbeiten. Vier weitere Beiträge zum Thema „Hauptsache Arbeit: Mythos Markt?“ hat die Körber-Stiftung in diesem Jahr mit dem Deutschen Studienpreis ausgezeichnet und mit jeweils 5000 Euro Preisgeld belohnt. Sechs der insgesamt sieben Preisträger sind Frauen.

Die Arbeitswelt wird immer flexibler, unberechenbarer und unsicherer. Eine These, an die viele junge Menschen glauben: Sie studieren und jobben gleichzeitig, sammeln Erfahrung im Ausland und sind stets bereit, Ortswechsel für ein Praktikum oder ein befristetes Projekt in Kauf zu nehmen. Einige von ihnen sind jenseits der 30 – und offiziell arbeitslos. Für sie hat die Zukunft schon begonnen – aber wo führt sie hin? Christiane Mück und Karen Mühlenbein gingen der Frage nach, ob sich ein akademischer Abschluss heute noch lohnt. Dafür wurde ihnen im Leibnizsaal der Berlin Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften eine goldenen Säge überreicht. „Wir konnten feststellen, dass der Einkommensvorsprung von Akademikern gegenüber Menschen mit praxisorientierter Berufsausbildung immer weiter abschmilzt“, sagte Mühlenbein. Christian Apfelbacher hat sich zusammen mit Anne Giebel der Frage gewidmet, wer in Zukunft alte Menschen pflegen wird und wie Altenpflege finanziert werden kann. „Trotz Massenarbeitslosigkeit und dem wachsenden Bedarf an Pflegepersonal, fehlen in Altenheimen Arbeitskräfte“, sagte Apfelbacher – er und seine Mitstreiterin bekamen eine goldene Mistgabel für ihre Lösungsansätze dieses Problems.

Dass am Theater moderne Beschäftigungsformen wie Projektarbeit bereits Normalität sind, beschrieb Doris Eikhof. Am Beispiel Theater konnte sie aufzeigen, wie eine flexible Arbeitswelt funktionieren kann. „Das klappt aber nur, wenn die Arbeitnehmer hoch motiviert und vom Sinn ihres Tuns überzeugt sind“, meint die Doktorandin.

Susanne Ludwig hat sich dem Thema aus künstlerischer Sicht genähert. Die Designstudentin fotografierte Räume bankrotter Betriebe. Für diese unkonventionelle Art, die heutige Arbeitswelt zu dokumentieren, erhielt sie einen goldenen Hobel.

Die diesjährigen Preisträger des Deutschen Studienpreises haben Erkenntnisse gewonnen, die sich in der Praxis umsetzen lassen – so gestalten sie die Zukunft aktiv mit. „Den jungen Wissenschaftlern ist jede Ideologie suspekt: Sie glauben weder an Marx noch an den Markt“, fasste Lothar Dittmer, Geschäftsführer des Studienpreises die Arbeiten zusammen.

Auch bei der Ausschreibung fürs kommende Jahr geht es um Arbeit in unserer Gesellschaft – „Ausweg Wachstum?“ ist die Kernfrage. „Mit dem Preis wollen wir junge Forscher ermutigen, quer zu denken und außerhalb des Universitätsalltags neue Blinkwinkel zu eröffnen“, sagte Wolf Schmidt, Vorstandsmitglied der Körber-Stiftung.

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