Gesundheit : Rauchfreie Zone (2): Urschleim

Stephan Wiehler

Es löst sich. Das soll gut sein, aber es sieht nicht gut aus. Wer mit dem Rauchen aufhört, kann es nicht länger verdrängen - es sei denn, er spuckt im Dunkeln. Ich will Ihnen die Details ersparen, auch wenn dieser Text auf der Forschen-Seite erscheint.

Aber 20 Jahre Tabakrauch durch die Bronchien zu filtern, das lässt sich nicht schön reden. Bei 20 Zigaretten täglich entspricht das einer Tasse Teer im Jahr. Ich habe also 20 Tassen Teer in meiner Brust gesammelt. Gemischt mit Rollsplitt reicht das vermutlich aus, um damit die Garageneinfahrt neu zu asphaltieren.

Ich habe weder eine Garage noch ein Auto. In den 20 Jahren Nikotin-Sucht habe ich ungefähr den Gegenwert eines Neuwagens in Rauch aufgehen lassen. Ich will mich nicht beklagen, aber irgendwie habe ich mir das mit dem Aufhören anders vorgestellt. Gesünder. Ohne diesen hässlichen Auswurf. Jahrelang habe ich mir beim Aufstehen gewünscht, nicht mehr als Marionette an den Fäden meiner morgendlichen Broncho-Spasmen zu zucken. Unter der Dusche habe ich mir geschworen, ab heute aber wirklich nicht mehr zu rauchen.

Um eine halbe Stunde später, unmittelbar nach dem letzten Bissen Frühstück, willenlos wie eine mechanische Aufziehpuppe am Glimmstengel zu saugen.

Ich war ein Räuchermännchen. Und jetzt bin ich ein Schleimer. Meine Ärztin sagt, das gibt sich mit der Zeit. Wenn ich Glück habe, regeneriert sich meine Lunge wieder fast vollständig. Das ist wie eine Wiedergeburt - aus dem Urschleim. Und wenn ich kein Glück habe? Meine Ärztin runzelt die Stirn: Dann war es schon zu spät. Die Details erspare ich Ihnen.

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