Gesundheit : Raum für Kreativität

Die Deutsche Universität in Kairo will auf internationalem Niveau lehren

Andrea Nüsse

Hisham hat nicht lange gezögert. Als er die private Deutsche Universität Kairo besichtigt hatte, war für den 20-jährigen Biologiestudenten klar: „Hier habe ich ganz andere Möglichkeiten als an der staatlichen Ein Shams Universität.“ Hisham gehört zu den knapp tausend Studenten, die in der letztes Jahr gegründeten Universität außerhalb Kairos das Studium aufgenommen haben.

Die von etwa 70 Sponsoren finanzierte Universität, die eng mit den Universitäten Ulm und Stuttgart zusammenarbeitet, hat sich in der ersten Phase auf Naturwissenschaften spezialisiert. Die Ausstattung kann deutsche Universitäten neidisch machen: Im Biologielabor stehen jedem Studenten zwei verschiedene, hochmoderne Zeiss-Mikroskope zur Verfügung. In einem Physikraum illustrieren bewegliche Modelle komplizierte Phänomene wie Wellenbewegungen oder Lichteffekte. Jeder Unterrichtssaal kann aufgrund modernster Technik bei Bedarf innerhalb von zwei Tagen in ein anderes Labor umgebaut werden. Hier werden moderne Studienzweige wie Biotechnologie und klinische Pharmazie angeboten, die es bisher in Ägypten kaum gibt.

Gearbeitet wird in Kleingruppen, eigene Forschungsarbeiten sind Pflicht, modernste Informationstechnologie wird genutzt. Universitätsgründer und Direktor Ashraf Mansour hofft, damit Wissenschaftler auszubilden, die „in Forschung und Lehre auf internationalem Niveau mithalten können“.

Das ist auch dringend notwendig, denn die arabische Welt hinkt bei der Wissensproduktion in Naturwissenschaften und Technologie hinterher. Der Arab Human Development Report, den arabische Wissenschaftler 2003 im Auftrag des United Nations Development Programme (UNDP) veröffentlichten, zeigte vor allem einen Mangel an innovativer Forschung. Während Ägypten in der Zeit von 1980 bis 1999 nur 77 Patente in den USA anmeldete und Kuwait 52, kam Korea auf 16328 und Chile auf 147 Patente. „Forschung in jüngeren Disziplinen wie Informationstechnologie oder Molekularbiologie ist fast nicht vorhanden“, heißt es in dem Bericht.

Woran liegt das? Laut UNDP–Bericht fehlen Investitionen im Bereich der höheren Bildung und für Forschungsinstitutionen, es wird mehr auf Quantität denn auf Qualität gesetzt und die Anforderungen des Marktes bleiben unbeachtet. Die arabischen Länder geben nur etwa 0,2 Prozent des Bruttosozialprodukts für Forschung aus, in Deutschland oder Frankreich sind es 2,4 Prozent. In der arabischen Welt kommen 50 Prozent von den Regierungen, aber nur drei Prozent aus der Privatwirtschaft und Industrie. In Industrienationen bringen diese Sektoren 50 Prozent der Investitionen in der Forschung auf.

Geld und eine hochmoderne Ausstattung sind in der Deutschen Universität Kairo vorhanden. Doch das allein reicht nach Ansicht von Universitätsgründer Mansour nicht aus. „Wir schaffen ein Umfeld, in dem Kreativität gefragt ist.“ So wird der eigenen Forschung der Studenten viel Platz eingeräumt, in Zusammenarbeit mit Industrie und Wirtschaft. Der Kontakt zwischen Studenten und Professoren ist partnerschaftlich und weniger hierarchisch als in der arabischen Welt üblich. Aber auch Sportanlagen und soziale Aktivitäten auf dem Campus, dessen Fertigstellung 2015 geplant ist, sollen eine Atmosphäre schaffen, in der die Studenten ihre Potenziale freilegen und ihre Persönlichkeiten entwickeln.

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