Gesundheit : Schulumfrage: Die Skepsis der Eltern wird größer - Hoffnung auf Studium sinkt

Anne Strodtmann

Das Abitur verliert bei Eltern immer mehr an Attraktivität. Wünschten sich 1991 noch mehr als die Hälfte diesen Schulabschluss für ihre Kinder, so waren es bei der jüngsten Umfrage des Instituts für Schulentwicklungsforschung der Universität Dortmund nur noch 44 Prozent. Im Osten Deutschlands war der Rückgang noch gravierender: von 51 Prozent im Jahre 1991 auf 38 Prozent.

Und nach dem Abitur wollen nur noch 45 Prozent der Eltern, dass ihre Kinder ein Studium beginnen. Vor drei Jahren waren es immerhin noch 47 Prozent. Die Ergebnisse der nunmehr 11. repräsentativen Umfrage zum Thema "Schule und Bildung" wurden gestern der Öffentlichkeit vorgestellt. Die GEW-Vorsitzende Eva-Maria Stange hält diese Entwicklung für Besorgnis erregend, insbesondere weil die Nachfrage nach hochqualifizierten Bildungsabschlüssen in der Wirtschaft ständig steigt. Wenn dieser Trend anhalte, müssten Green-Cards in allen akademischen Berufen eingeführt werden.

Die Umfrage vom Januar und Februar dieses Jahres im Rahmen einer Langzeitstudie verdeutlicht die kritische Sicht. Nur ein Viertel der knapp 3000 befragten Eltern schätzt die in den Schulen vermittelten Kenntnisse und Fähigkeiten als gut ein - genauso viele bewerteten sie eher als schlecht. 26 Prozent halten die Leistungsanforderungen in den Schulen für zu niedrig.

Höchste Anforderungen stellen die Bundesbürger an die Schule bei der Vorbereitung auf das Berufsleben. Fast ebenso wichtig sind ihnen sozialen Kompetenzen und Teamfähigkeit sowie die Fähigkeit, Probleme zu erkennen und Lösungswege zu entwickeln. Mit großer Mehrheit sprachen sich die Eltern für die so genannten Kopfnoten aus. In Westdeutschland verlangten 71 Prozent der Eltern Zensuren für Verhaltensweisen wie Fleiß oder Ordnung statt einer allgemeinen Beurteilung. Im Osten waren es sogar 87 Prozent. Hierbei mag mitspielen, dass in der ehemaligen DDR bis zur Wende die Kopfnoten noch allgemein üblich waren. "Moderne" Kopfnoten - etwa zu Teamfähigkeit, Toleranz und Verantwortungsbewusstsein - befürworteten 77 Prozent der westdeutschen Eltern und 81 Prozent der Eltern in den neuen Bundesländern.

Großer Zustimmung erfreuen sich auch bundesweite Leistungstests. Im Westen waren es 62 Prozent, im Osten sogar 69 Prozent. Eine deutliche Mehrheit, nämlich 61 Prozent, ist dafür, dass derartige Tests in Ranglisten veröffentlicht werden. Der Leiter des Instituts für Schulentwicklungsforschung, Professor Hans-Günther Rolff, kommentierte diesen Wunsch kritisch: Derartige Tests seien zwar für Schüler und Lehrer durchaus wertvoll und interessant. Ein Ranking wäre jedoch sehr problematisch. Wenn man versuche die Ergebnisse aus allen Schulen in eine einzige Skala zu zwängen, bleibe naturgemäß zu viel auf der Strecke. Die Leistungen einer Schule in Kreuzberg mit hohem Anteil von Ausländern und sozial Benachteiligten könnten nicht so ohne weiteres mit Schulen in Dahlem verglichen werden. Problematisch könnten bei einem Ranking auch die Folgen für die jeweilige Schule sein: Werden gute Schulen sich in Zukunft auf ihren Lorbeeren ausruhen oder werden sie sich ihre Klasse immer wieder neu verdienen? Werden sich Schulen auf den hinteren Plätzen der Rangliste darum bemühen, weiter aufzurücken oder resignieren? Erfahrungen im Ausland zeigten, dass Rankings keinen Beitrag zu einer positiven Schulentwicklung leisteten.

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