Gesundheit : Softe Drinks, harte Folgen: Gesüßte Getränke fördern Übergewicht bei Kindern

Adelheid Müller-Lissner

Macht Zucker dick? So trivial die Frage klingen mag, ernährungswissenschaftlich ist die Antwort komplizierter, als man denkt. Denn Zucker wird im Körper nicht in Fett umgewandelt. Trotzdem kommen Untersuchungen zum Ergebnis, dass hoher Zuckerkonsum dick macht.

Das ist auch das Ergebnis einer Studie der Harvard School of Public Health, veröffentlich im Medizinerfachblatt "Lancet" (Band 357, Seite 505). Die Kinderärzte hatten über 500 elf- bis zwölfjährige Kinder aus vier verschiedenen Gegenden im US-Bundesstaat Massachusetts 19 Monate lang befragt und untersucht. Das Ergebnis: Kinder, die viel Cola, Limo, gezuckerte Säfte und süßen Eistee trinken, sind von Übergewicht bedroht.

Die Ärzte waren dabei von zwei Tatbeständen ausgegangen: Zwischen 1980 und 1994 hat sich die Zahl der schwer übergewichtigen Kinder in den USA verdoppelt. Übergewicht ist dort inzwischen zum größten Gesundheitsproblem bei Kindern und Jugendlichen avanciert. In den letzten 50 Jahren hat andererseits der Konsum von zuckergesüßten Softdrinks aller Art sich verfünffacht. Die Hälfte aller Amerikaner und mehr als zwei Drittel der Jugendlichen in den USA trinken täglich solche Softdrinks. Heranwachsende Mädchen nehmen 36,2, die Boys sogar 57,7 Gramm reinen Zucker täglich allein in Form von Getränken zu sich. Es lag deshalb nahe, beide Veränderungen miteinander in Zusammenhang zu bringen.

Das wichtigste Resultat, das die Kinderärzte nun präsentieren: Mit jedem zusätzlichen Softdrink, den die Schüler und Schülerinnen regelmäßig konsumieren, stieg der "Body-Mass-Index" (Körpermassenzahl) der Kinder im Untersuchungszeitraum um durchschnittlich 0,24 kg/m2

Dieses in der Wissenschaft übliche Maß für die Körpermasse wird ermittelt, indem man das Gewicht in Kilogramm durch die Größe in Metern im Quadrat teilt. Ein 1,50 Meter großes Kind, das 50 Kilo wiegt, hat demnach einen Body-Mass-Index von etwa 22. Stehen Wachstum und Gewichtszunahme im richtigen Verhältnis, dann erhöht sich der Body-Mass-Index nicht wesentlich. Andere mögliche Einflussfaktoren wie die sexuelle Reifung vor allem bei den Mädchen, aber auch ethnische Verschiedenheiten, waren von den Medizinern zuvor sorgfältig "herausgerechnet" worden.

Wie erklärt es sich, dass süße Drinks das Gewicht der Kinder in die Höhe treiben? Forscher bedienen sich da der "Flüssigkeits-These": Während bei den meisten Menschen der "kleine Snack zwischendurch" bei der nächsten Mahlzeit automatisch ausgeglichen wird, indem sie dann weniger zu sich nehmen, wird der Drink nicht als Snack betrachtet.

Das Zucker des Drinks wird zwar nicht in Fett verwandelt, liefert aber soviel Energie, dass die Fettpolster des Körpers als Energielieferant nicht angetastet werden. Dieser These, die durch zahlreiche frühere Studien belegt ist und auch durch den "Bierbauch" der Erwachsenen gestützt wird, neigen auch die Kommentatorinnen dieser Studie in der gleichen Ausgabe der Zeitschrift zu.

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