Gesundheit : Spitzenkräfte zieht es nach München und Berlin

Uwe Schlicht

Einen Perspektivenwechsel in der auswärtigen Kultur- und Wissenschaftspolitik hat der Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung, Professor Wolfgang Frühwald, gefordert. Angesichts der neuen Phase der weltweiten Konkurrenz um die Wissenseliten dürfe Deutschland seine besten Wissenschaftler nicht ans Ausland verlieren. Zur Zeit gebe es geradezu einen Sog der Köpfe in die USA, erklärte Frühwald auf einer Pressekonferenz in Berlin. Deutschland müsse sich aus wirtschaftlichen, politischen, kulturellen Gründen der Konkurrenz um die Wissenselite der Welt stellen. Es sei widersinnig, mit einer Green Card hochspezialisierte Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben und gleichzeitig bei uns ausgebildeten Fachleuten nach Abschluss ihres Studiums keine Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis in Deutschland zu geben. Frühwald sagte einen ähnlichen Mangel, wie er derzeit in der Computerbranche herrscht, demnächst auch bei den wissenschaftlich tätigen Ärzten voraus.

Die Botschaft ist klar: Die Alexander-von-Humboldt-Stiftung will ihre Stipendiaten aus aller Welt - über 2000 waren es im vergangenen Jahr - auf die mögliche Weiterarbeit in Deutschland hinweisen und mit neuem Elan in die Konkurrenz zu anderen Ländern Europas und den USA um die besten Wissenschaftler treten. Vor allem müsse ein Klima geschaffen werden, damit ausländische Studenten und Wissenschaftler gerne nach Deutschland kommen. Dieser Klimawechsel sei wichtiger als die punktuelle Behandlung eines Mangels.

Positiv bewertet die Humboldt-Stiftung, dass nach wie vor die großen deutschen Universitäten für ausländische Spitzenwissenschaftler attraktive Forschungsstätten sind. Als Städte der Wissenschaft schneiden dabei München und Berlin besonders gut ab. Die meisten der von der Stiftung geförderten Spitzenwissenschaftler aus dem Ausland gingen in die bayerische Hauptstadt - dort steht die Maximilians Universität an der ersten Stelle mit 121 Gastwissenschaftlern. Auf den zweiten Platz kommt Heidelberg (112 Gastwissenschaftler), auf den dritten Platz ist jetzt die Technische Universität München (110) vorgestoßen und hat die Freie Universität Berlin mit 104 Gastwissenschaftlern auf den vierten Platz verdrängt. Den fünften Rang nimmt die Universität Tübingen (87) ein, und auf die sechste Stelle aufgerückt ist die Berliner Humboldt-Universität mit 78 Gastwissenschaftlern. Die Technische Universität Berlin kam auf den 13. Platz mit 65 Gastwissenschaftlern. In der Scientific community gilt diese Rangfolge als Ausweis von wissenschaftlichem Ansehen.

Die herausragenden Wissenschaftler, die die Stiftung mit Stipendien nach Deutschland lockt, können sich ihre Forschungsthemen aussuchen und auch die deutschen Universitäten und Forschungsinstitute frei wählen, von denen sie sich den meisten Nutzen versprechen. "Die Zahlen der Alexander-von-Humboldt-Stiftung sind deshalb ein Indikator für das internationale Ansehen der Wissenschaftler an verschiedenen deutschen Forschungsstätten und die Qualität ihrer Arbeit", heißt es der Analyse.

Unter den Forschungsinstituten sind für ausländische Spitzenwissenschaftler das Forschungszentrum Jülich, das Max-Planck-Institut für Metallforschung in Stuttgart, das Fritz-Haber-Institut in Berlin sowie die Max-Planck-Institute für Festkörperforschung in Stuttgart und Polymerforschung in Mainz besonders attraktiv. Einige der Institute hätten mehr Humboldt-Gastwissenschaftler angezogen als komplette Universitäten.

Die Alexander-von-Humboldt-Stiftung vergibt auch Stipendien an deutsche Wissenschaftler. Insgesamt unterstützte die Stiftung im vergangenen Jahr 2211 Wissenschaftler aus über 90 Nationen. Die meisten Stipendien gingen an Wissenschaftler aus der Volksrepublik China, gefolgt von Indern, Russen, den Amerikanern, Japanern und Polen.

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