Gesundheit : Sprachkritik: Gen-Dateien und anderer Atommüll

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Heute wollen wir einmal ein bisschen kleinlich sein mit unserer Sprache und ein paar Wort-Korinthen zählen, die Tag für Tag so durch die Zeitung rieseln. Beispiel Nummer eins: der Atommüll. Zwar wissen gut informierte Zeitgenossen, dass Atommüll nicht deshalb so bedeutsam ist, weil er die Bausteine der Materie enthält. Weil wir schließlich alle aus Atomen bestehen, wäre es besser, von radioaktivem Abfall zu sprechen. Schließlich macht die Tatsache, dass wir aus Atomen zusammengesetzt sind, uns nicht zu einem Entsorgungsobjekt.

Aber was ist, Beispiel Nummer zwei, mit den heiß diskutierten Genen? Neulich konnte man lesen, dass Gen-Produkte gekennzeichnet werden sollen. Gemeint waren gentechnisch veränderte Produkte. Sonst müssten wir nämlich alle mit einem Gentechnik-Etikett durch die Gegend laufen. Denn alle Lebewesen, nicht nur gentechnisch modifizierte, verdanken ihre Existenz den Erbmerkmalen, sind also mithin Gen-Produkte. Genau genommen gab und gibt es übrigens auch bei uns jede Menge genetische Veränderungen, wenn man sich die Geschichte der Menschwerdung so ansieht.

Beispiel Nummer drei hat einen schrecklichen Anlass, nämlich den Mord an der zwölfjährigen Ulrike. Deshalb sollen nun alle Männer zum Speicheltest, fordern Politiker. Was hat es damit auf sich? Die einen sprechen von DNA-Analyse, andere von einem Gen-Test, wieder andere vom DNS-Profil oder von einem genetischen Fingerabdruck. Letzteres klingt zumindest gut und anschaulich und ist insofern richtig, als das Verfahren ebenso wie der Fingerabdruck ein unverwechselbares Kennzeichen jedes Menschen darstellt - immerhin. Aber der Test, von dem die Rede ist, hat mit den Genen überhaupt nichts zu tun.

Deshalb ist der Ausdruck Gen-Test ebenso falsch wie der Begriff Gen-Datei. Denn der Speicheltest misst nicht etwa die Beschaffenheit eines bestimmten Erbmerkmals, sondern bestimmte charakteristische, also unverwechselbare Abschnitte der Erbsubstanz DNS. Gene dagegen sehen von Mensch zu Mensch ziemlich ähnlich aus, eignen sich also viel weniger bei dem Versuch, die verdächtige Stecknadel im Heuhaufen zu finden. Und nur ein bis drei Prozent unserer Erbsubstanz DNS bestehen überhaupt aus Genen.

Warum aber schreiben manche Medien immer DNA, zum Beispiel die einflussreiche Deutsche Presseagentur? DNA ist einfach nur der englische Ausdruck für DNS, was wiederum die Abkürzung für das gute alte deutsche Wort Desoxyribonukleinsäure ist. Fazit: Sachlich und sprachlich wäre es sicher das Beste, man würde von einem DNS-Fingerabdruck oder von einem DNS-Profil sprechen und schreiben. Nein, wir wollen nicht zu beckmesserisch sein. Aber einmal wird man es ja doch sagen dürfen.

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