Gesundheit : Stadtbäume wachsen besser als Landpflanzen Schadstoff Ozon bildet sich erst

außerhalb der Ballungsräume

Gideon Heimann

Pflanzen weit draußen auf dem Land leiden stark unter den Emissionen aus Ballungsräumen. Das haben Forscher der Cornell-Universität und des Instituts für Umweltforschung im US-Bundesstaat New York in einer Studie belegt, die in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature“ (Band 424, Seite 183) veröffentlicht ist. Sie hatten Pappeln in der Stadt New York sowie außerhalb untersucht. Das Ergebnis: In der Stadt legen die Pflanzen doppelt so viel Biomasse zu wie außerhalb.

Die Abläufe der Ozonentstehung sind inzwischen recht gut erforscht: Über einen photochemischen Prozess wandeln sich vor allem Schadstoffe aus Verbrennungen, wie sie in Automotoren oder Heizungen stattfinden, in andere Substanzen um, zu denen auch das dreiatomige Sauerstoffmolekül Ozon gehört. Beteiligt sind Stickoxide sowie Kohlenmonoxid oder Kohlenwasserstoffe. Letztere entweichen unvollständigen Verbrennungen, stammen aber auch aus verdampfenden Lösungsmitteln beispielsweise von Lacken. Auslöser der chemischen Reaktion, die dann zu Ozon als aggressivem Endprodukt führt, ist der energiereiche Anteil des Sonnenlichts: das Ultraviolett.

Das Verwirrende daran: In der Stadt ist die Ozonkonzentration vergleichsweise gering. Denn hier gibt es genügend andere Schadstoffe, die vom Ozon oxidiert werden können. Dabei zersetzt es sich in das jeweilige Oxid und in ein herkömmliches, zweiatomiges Sauerstoffmolekül.

Das wirkliche Problem entsteht vor allem in Reinluftgebieten. Denn Ozon entsteht auch unterwegs, wenn die Winde die städtischen Schadgase in die Umgebung treiben und die Sonne draufbrennt. Sommers gehen daher ganze Ozonwolken auf „Wanderschaft“. Dort sind die Ozonkonzentrationen größer, weil in der Luft weniger Reaktionspartner zur Verfügung stehen. Und deshalb werden die Pflanzen stärker angegriffen.

Natürlich unterscheiden sich auch die Wachstumsbedingungen „drinnen“ und „draußen“ erheblich, stellten die Wissenschaftler fest. So leiden Stadtbäume oft unter der größeren Wärme, die sich dort staut. Sie bekommen mehr Substanzen ab, die positiv als Dünger, aber auch negativ als Schadstoff wirken können. Die Frachten kommen mit der Luft, aber auch durch Bodenbelastungen etwa durch Hunde-Urin. Dennoch lassen sich die festgestellten Unterschiede im Wachstum damit nicht erklären, sagen die Forscher. Ursache ist das Ozon.

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