Gesundheit : Starchirurg Barnard: Jeden Tag 200 Liebesbriefe

Anja Kühne

Christiaan Barnard galt in den Medien als schillernde Figur. Seit seinem Durchbruch in der Medizin zierte der gut aussehende Starchrirurg jahrzehntelang die Titelblätter der Magazine in aller Welt: Stets gebräunt präsentierte sich Barnard der Presse mit verschiedenen Frauen an seiner Seite, zu denen der Altersunterschied immer größer wurde. Barnard galt als Lebemann und als Playboy - ein Image, das er pflegte und genoss.

Egal, wo in der Welt Barnard zu Fototerminen, Galadiners oder Empfängen erschien: Schon am Flughafen erwarteten ihn jubelnde Menschen, Frauen versuchten ihn zu berühren und steckten ihm Zettel mit ihren Telefonnummern zu. Für die 200 Briefe von Verehrerinnen, die zeitweise täglich bei ihm eingegangen sein sollen, kam er ins Guinness-Buch der Rekorde.

Aus seiner Lust am Leben und der Liebe machte Barnard kein Hehl, auch nicht im Alter: "Genießen Sie Sex!" riet der emeritierte Professor in seinem Buch "50 Wege zu einem gesunden Herzen". Zwei- bis dreimal in der Woche solle es schon sein, "wozu gibt es Viagra?" sagte er der "Süddeutschen Zeitung" in einem Interview im März diesen Jahres und wandte sich gegen die Tabuisierung von Sex im Alter.

Barnard mangelte es nicht an ansprechenden Partnerinnen. Einen Sturm der Entrüstung entfachte der zweite Teil seiner Memoiren "The second life", in denen er verschiedene außereheliche Affären mit berühmten Frauen enthüllte, mit Fotomodellen und Filmstars. Unter anderem schilderte Barnard Gina Lollobrigida als sehr lebhafte und sexuell hemmungslose Frau, die nach einer Nacht mit ihm nur im Nerzmantel in ihr Hotel zurück gefahren sei. Barnard lobt in dem Buch seine eigene Potenz in höchsten Tönen. Neben seinen Liebesgeschichten beschreibt er dort aber auch seine Freundschaften mit Filmstars wie Peter Sellers und Sophia Loren und ein Treffen mit einem angetrunkenen Richard Burton, der ihm geraten habe, nie die selbe Frau zweimal zu heiraten.

Barnards erste Ehefrau, die ehemalige Krankenschwester Louwitjie, die den Anfang seiner Karriere beruflich begleitet hatte, sagte nach der Scheidung, ihr Mann habe sich durch den Ruhm zur Unkenntlichkeit verändert. Barnard aber, der aus bescheidenen Verhältnissen stammte, genoss sein Leben in der Gesellschaft. Er traf Präsident Johnson auf dessen Ranch, spielte Tennis mit den Marcos und traf Papst Paul VI. in einer Privataudienz. Barnards Leben übertraf die Storys der zwei Arztromane, die er unter seinem Namen schreiben ließ.

Aber Barnard war nicht nur ein selbstzentrierter Macho: Er war auch ein Gegner der Apartheid, der sich dafür in seiner Heimat unbeliebt machte. In der Stiftung, die seinen Namen trägt, engagierte er sich für die Dritte Welt, etwa für Projekte zur Behandlung traumatisierter Kinder.

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