Gesundheit : Studieren, um Kinder zu bilden

Susanne Ehlerding

Als erste deutsche Hochschule bietet die Berliner Alice Salomon Fachhochschule (ASFH) ab April einen grundständigen Studiengang „Erziehung und Bildung im Kindesalter“ an. Der Lehrplan vermeidet die Trennung in Pädagogen für Klein- und Schulkinder. Die Absolventen können später mit Kindern bis zu 12 Jahren arbeiten. In 35 Modulen geht es um Theorie und Geschichte der Erziehung, um Spielpädagogik und Zusammenarbeit mit Eltern, Sprachentwicklung und Naturwissenschaften, Familienrecht und Qualitätsmanagement. Integriert sind zwei dreimonatige Praktika und mehrere Hospitationen. Nach sieben Semestern schließt das Studium mit dem Grad eines Bachelor of Arts (B.A.) ab, bewerben können sich Abiturienten und Bewerber mit einer einschlägigen Berufsausbildung und vierjähriger Berufstätigkeit.

Lang und frustrierend war der Weg, bis dieses Curriculum aufgestellt werden konnte. Obwohl Deutschland neben Österreich das einzige Land der EU ist, das Erzieherinnen nicht an Hochschulen ausbildet, lehnte die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung mehrere Anträge auf einen Modellstudiengang ab. Unterstützung fand die ASFH schließlich bei der Strukturfonds-Kommission des Landes Berlin.

Weiterbildungsstudiengänge

Ein Weiterbildungsstudium beginnt im Herbst an der Universität Bremen. Dort werden, fachlich ganz auf der Höhe der Zeit, Grundschulpädagogen und Erzieher gemeinsam studieren. In der Genehmigung befindet sich ein Aufbaustudiengang „Elementarpädagogik“ an der Evangelischen Fachhochschule Hannover. „Integrative Kleinkindpädagogik“ ist demnächst eine Weiterbildungsmöglichkeit an der Fachhochschule in Emden.

Bessere Bezahlung?

Viele andere Hochschulen haben Pläne in der Schublade, die jedoch nur zögerlich angenommen werden. Denn, so bringt es Peter Berker von der Katholischen Fachhochschule Nordrhein-Westfalen auf den Punkt: „Die Träger der Hochschulen sind gleichzeitig die Träger der Kitas“. Und die fürchten die höheren Kosten, die Erzieherinnen mit höherer Qualifikation verursachen könnten.

Tarifrechtlich gesehen ist das nicht ganz unbegründet. Zwar geht es bei der Entlohnung nach Bundesangestelltentarif in erster Linie nach der Tätigkeit, doch auch der Abschluss spielt bei der Einstufung eine Rolle, so Katja Metzig von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Ob die Absolventinnen der Alice-Salomon-Fachhochschule künftig besser entlohnt werden als ihre Kolleginnen von den Fachschulen? Die Sprecherin der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport, Anne Rühle, kann dazu „noch keine klare Aussage machen“. Auf jeden Fall haben Hochschulabsolventinnen bessere Chancen auf eine Leitungsposition, in der Erzieherinnen im Einzelfall bis BAT III eingruppiert werden. Die meisten aber verdienen je nach Alter 20 bis 30 Prozent weniger als die mit BAT III entlohnten Grundschullehrer. Deren Ausbildung dauert allerdings auch mindestens zweieinhalb Jahre länger.

Informationen im Internet:

www.asfh-berlin.de/02/bc_erz/

Bewerbungsschluss für das Sommersemester 2004 ist der 15. Februar.

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