Gesundheit : Technische Universität Berlin: "Die Reformen gehen weiter"

Bärbel Schubert

Die Technische Universität Berlin (TU) hat für die nächsten vier Jahre die Kontinuität ihrer Leitung gesichert. TU-Präsident Hans-Jürgen Ewers wurde am Mittwoch für vier weitere Jahre im Amt bestätigt. Dafür erhielt Ewers im zweiten Wahlgang 33 Ja- und 26 Nein-Stimmen (plus eine ungültige). Das Scheitern des ersten Wahlgangs in der vergangenen Woche hatte für große Aufregung gesorgt.

Kurt Kutzler wurde als erster Vizepräsident bestätigt. Er hatte seine Kandidatur kurz vor dem entscheidenden Wahlgang an Ewers Erfolg geknüpft. Der Physiker Jürgen Sahm wurde zum zweiten Vizepräsidenten wiedergewählt. Sahm ist für die Verbesserung von Lehre und Studium zuständig. Das Führungsteam der TU ist damit allerdings noch nicht wieder vollständig, da weiterhin der Vizepräsident für Forschung fehlt.

Nach seiner Wahl sagte Ewers mit Blick auf die Proteststimmen: "Ich habe die Botschaft, die sie mir damit gegeben haben, wohl verstanden". Dem Tagesspiegel sagte er dazu: "Der Reformprozess geht weiter, muss aber künftig effizienter kontrolliert werden." Mehr Controller sollen die Veränderungen für die Betroffenen transparent machen, beispielsweise die nach Fertigstellung der neuen Universitätsbibliothek anstehenden zahlreichen Umzüge. Zu den Streitigkeiten zwischen den verschiedenen politischen Gruppierungen an der Hochschule, die zum Scheitern des ersten Wahlgangs beigetragen hatten, meinte der Präsident: "Hier löst sich die Kultur der 70er Jahre ab. In fünf Jahren wird kein Mensch mehr von diesen Unterschieden reden. Die jungen Professoren sprechen eher auf Themen wie Leistung an."

Ewers setzt für die Entwicklung der TU weiterhin auf thematische, interdisziplinär gestaltete Schwerpunkte. So sollen am gerade entstehenden Schwerpunkt "Wasser" im Prinzip alle Fachgebiete mitarbeiten, etwa Bauingenieure, Stadtplaner und Ökologen. "Mit diesem Konzept werden wir in der Lage sein, Lösungen für weltweit auftretende Probleme zum Thema Wasser zu entwickeln. Wir wollen damit international für Firmen und Regierungen interessant werden. Hier entsteht eine für Deutschland neue Art von Universität." Insgesamt sollen zwischen sechs und zwölf solcher Schwerpunkte entstehen, unter anderem zu den Themen Verkehr und Biotechnologie. Zusätzlich liefen rund 40 Reformprojekte.

Mit der Initiative der Bundesregierung für eine Patentverwertung durch die Hochschulen wird dieses Konzept auch zur Hochschulfinanzierung interessant. Ewers: "Wir können nicht mehr ausschließlich auf den Staat als Finanzier der Hochschulen setzen." Der neue und alte TU-Präsident fordert darüber hinaus seit Jahren die Einführung von Studiengebühren. Einen weiteren Schwerpunkt seiner Tätigkeit sieht Ewers in der Politikberatung. "Wir sind als große Technische Universität Spezialisten für viele Wirtschaftsfragen. Zugunsten der Region sollten wir unseren Sachverstand auch einbringen."

In den nächsten Jahren hat die TU 1600 Stellen neu zu besetzen, weil die Stelleninhaber in den Ruhestand treten. Kutzler verwies auf die Schwierigkeiten, dies mit den zur Verfügung stehenden Investitionsmitteln in Höhe von zehn Millionen Mark pro Jahr für die Ausstattung der Lehrstühle zu schaffen. Vizepräsident Sahm kündigte den Fortgang der Qualitätsentwicklung der Lehre in den einzelnen Fächern durch externe Evaluation an, als nächstes in der Physik. Auch in der Frauenförderung "ist noch einiges zu tun", hieß es weiter. Neun von 15 Fachbereichen der TU haben noch immer keine Professorin.

Der Volkswirtschaftler Ewers (58) ist seit 1997 Präsident seiner Hochschule und seit 1980 dort Professor. 1977 hatte er sich an der Universität Münster habilitiert. Der Mathematiker Kutzler (59) hat an an der Freien Universität studiert und sich an der Universität Mannheim habilitiert. Seit 1973 ist er Professor an der TU, seit vergangenem Jahr zugleich Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz. Sahm (64) gehört der Hochschule seit 1980 an.

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