Gesundheit : Teure Krönung: Ochsenfleisch und Wein fürs Volk

Ingo Bach

Unter dem Strich stand eine gewaltige Rechnung: Drei Millionen Taler verschlang die Krönung des ersten preußischen Königs am 18. Januar 1701 in Königsberg (nach heutigem Geldwert etwa 600 Millionen Mark), rund 30 000 preußisch-brandenburgische Soldaten kostete die neue Krone das Leben. Denn Friedrich I. hatte sich die Zustimmung des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation zu seinem Titel erkauft, indem er ihm Soldaten zur Verfügung stellte. Die starben nun in den kaiserlichen Kriegen mit Frankreich. Sein Enkel Friedrich der Große urteilte deshalb über seinen Großvater: "Ihm lag mehr an blendendem Glanz als am Nützlichen."

Und in der Tat setzte der brandenburgische Kurfürst Friedrich III. seine Krönung zu Friedrich I., König in Preußen, prachtvoll in Szene. Mit seinem Hofstaat zog der Kurfürst am 17. Dezember 1700 von Berlin nach Königsberg, immerhin knapp 600 Kilometer entfernt. Der Tross von etwa 300 adligen Höflingen, deren Familien und Bediensteten, der aus 350 Wagen und 2000 Pferden bestand, brauchte fast zwei Wochen bis Königsberg. Es herrschte gerade Tauwetter, weshalb es nicht leicht war, über die aufgeweichten Wege voranzukommen. Trotzdem blieb man im Zeitplan: am 29. Dezember rollte der Zug in Königsberg ein.

Ungeachtet der begrenzten Vorbereitungszeit ließ Friedrich ein gigantisches Fest inszenieren, das mit den Kaiserkrönungen früherer Jahrhunderte durchaus mithalten konnte - und das auch sollte, denn Friedrichs Anordnungen, wie die Zeremonie stattzufinden habe, orientierten sich an den deutschen Kaiserkrönungen in Aachen und anderer europäischer Dynastien, zum Beispiel der dänischen Monarchie.

Am Vormittag des Krönungstages versammelte sich eine riesige Menschenmenge im Königsberger Schloss, um den großen Augenblick live zu verfolgen. Friedrich erschien in einem Krönungsornat von unermesslichem Wert. Allein der purpursamtene Krönungsmantel, mit Diamantknöpfen und bestickt mit goldenen Kronen und Adlern, soll den Gegenwert einer Tonne Goldes gehabt haben. Dann setzte sich Friedrich die Krone - ganz aus eigener Autorität und Souveränität heraus - selbst aufs Haupt und danach seiner Gemahlin, die vor ihm kniete.

In gemessenem Zuge schritt das Königspaar anschließend über den Schlosshof zur Schlosskirche, wo zwei von Friedrich bestellte Bischöfe die Salbung von Stirn und Händen des Königs vornahmen - womit also auch die Kirche ihren Segen gab.

Auf dem Platz vor der Residenz wartete ungeduldig das Volk - oder zumindest ein kleiner Teil davon. Etwa 1500 Landeskinder dürften da versammelt gewesen sein, schätzt Gerd Heinrich, Professor für historische Landeskunde an der Freien Universität. Auf dem Platz brutzelte ein Ochse über dem Feuer, aus zwei Brunnen floss Wein. Um seine Verbundenheit mit seinen Untertanen zu demonstrieren, ließ sich der König ein Stück Ochsenfleisch und ein Krug des Weines kredenzen. Aber am meisten Begeisterung löste es aus, dass der frischgebackene König Gold- und Silbermünzen unters Volk werfen ließ.

Trotzdem: "Friedrich I. war keineswegs der Verschwender, als der er hingestellt wurde", sagt der Historiker Gerd Heinrich. Zwar fiel die Krönung tatsächlich aus dem Rahmen, denn derartige Inszenierungen waren zu Anfang des 18. Jahrhunderts schon ein Auslaufmodell - die meisten europäischen Monarchen scheuten die immensen Kosten. Doch das waren alteingessene Dynastien, Friedrich dagegen etablierte eine neue Monarchie, die sich die allgemeine Anerkennung erst noch zu erkämpfen hatte. "Der König musste diesen Pomp entfalten", urteilt Heinrich. Und im Vergleich zu seinem sächsischen Amtskollegen August dem Starken, der sich den Erwerb der polnischen Krone fast fünf Millionen Taler kosten ließ, war Friedrichs Krönung nahezu preiswert. Eigentlich sei Friedrich gar ein sparsamer Mann gewesen, meint Heinrich. "In seinem Testament ermahnte er seinen Sohn, das Geld zu sparen und es für Stiftungen, Kirchenbauten und Militär einzusetzen." Friedrich Wilhelm I. hat sich daran gehalten, insofern handelt es sich also nicht um den krassen Gegensatz von Verschwender zum Pfennigfuchser, als der der Thronwechsel oft gewertet wurde. "Kein Bruch, sondern eigentlich Kontinuität."

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