Gesundheit : Tuberkulose immer schwerer behandelbar

WHO: Bakterien werden gegen übliche Medikamente resistent

Susanne Lummer

Jährlich erkranken etwa 300000 Menschen an einer Form der Tuberkulose, die sich mit normalen Mitteln nicht mehr behandeln lässt. Denn die Krankheitserreger werden weltweit immer resistenter gegen herkömmliche Medikamente. „In einigen Regionen, darunter Osteuropa, haben die Antibiotikaresistenzen erschreckende Ausmaße angenommen“, sagte die niederländische Medizinerin Kitty Lambregts am Dienstag bei der Vorstellung einer neuen Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Berliner Robert-Koch-Institut.

Besonders betroffen sind einige Länder der ehemaligen Sowjetunion: In Estland, Kasachstan, Lettland, Litauen, Usbekistan und Teilen der Russischen Föderation erkranken bis zu zehn Mal mehr Menschen an der resistenten Tuberkulose als in anderen Erdteilen. Grund dafür ist die schlechte wirtschaftliche und soziale Situation in diesen Ländern. Die Folge sind mangelnde hygienische Verhältnisse, schlechte Ernährung und geschwächte Abwehrkräfte. Hunderttausende stecken sich in Osteuropa und Zentralasien in überfüllten Gefängnissen an, ohne dort angemessene medizinische Versorgung zu erhalten.

Hinzu kommt der starke Anstieg von HIV- Infektionen in den betroffenen Ländern. „Damit ist dort eine weitere Zunahme der Tuberkulose zu befürchten, weil das durch HIV geschwächte Immunsystem dem Tuberkuloseerreger kaum etwas entgegenzusetzen hat“, sagte Reinhard Kurth, Präsident des Robert-Koch-Instituts.

Resistente Krankheitserreger entwickeln sich dann, wenn die Patienten ihre Medikamente nicht lange genug einnehmen oder sich nicht an die vorgeschriebene Dosierung halten. Zwar lässt sich auch resistente Tuberkulose noch bekämpfen. Die Behandlung verlängert sich jedoch um Jahre, kostet ein Vielfaches und ist in diesen Fällen nicht mehr unbedingt erfolgreich.

In Deutschland leiden immer weniger Menschen an Tuberkulose. Dennoch wollen die Experten auch nationale Bekämpfungsprogramme stärken. Denn die resistenten Erreger gibt es auch bei uns – mit leicht steigender Tendenz. Bakterien halten sich eben nicht an Staatsgrenzen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben