Gesundheit : Uni-Fusion: Nicht wie in Kalifornien

Berlins Abgeordnete berichten von ihrer Reise

Tilmann Warnecke

Sollen die drei großen Berliner Universitäten unter einem gemeinsamen Dach einer „University of Berlin“ zusammengeführt werden? Das hat im vergangenen Mai eine Enquetekommission des Abgeordnetenhauses empfohlen – und damit heftige Gegenwehr der betroffenen Hochschulen ausgelöst. Neue Unruhe verursacht nun ein einwöchiger Besuch des Wissenschaftsausschusses des Berliner Abgeordnetenhauses Anfang Februar in Kalifornien. Dort sind die zehn wichtigsten staatlichen Universitäten unter dem Dach der University of California organisatorisch zusammengefasst.

Halten die Abgeordneten das Modell für übertragbar? „Eins zu eins übernehmen“ müsse man die Hochschul-Organisation der Kalifornier nicht, sagte Annette Fugmann-Heesing (SPD), die Vorsitzende des Wissenschaftsausschusses, auf Anfrage. An eine große Neustrukturierung der Berliner Unis sei jedenfalls nicht gedacht. Die SPD wie der Wissenschaftsausschuss müssten die Reise aber erst in Ruhe auswerten. Die kalifornischen Verhältnisse hätten sie jedenfalls „beeindruckt“ – besonders der „Geist an den Universitäten“. Die Hochschulen kümmerten sich intensiv um jeden einzelnen Wissenschaftler.

Nicolas Zimmer (CDU) und Lisa Paus (Grüne) sind sich nach dem Besuch einig, dass Kalifornien in Sachen Unifusion kein Vorbild für Berlin sein kann. Die Rektoren könnten an jedem Standort frei entscheiden, ohne dass der UC-Präsident ihnen Vorgaben mache, sagte Paus. „Synergieeffekte in der Verwaltung sind bisher ausgeblieben.“ Jede der zehn Unis würde penibel darauf achten, dass Einrichtungen wie Bibliotheken nicht zu ihren Ungunsten an anderen Standorten konzentriert werden.

Auch würden in Kalifornien nur 12 Prozent der High-School-Absolventen auf die University of California (UC) gehen, dreißig Prozent auf die qualitativ darunter stehenden State Universities und der große Rest auf die Community Colleges, die kaum Fachhochschulniveau hätten, sagt Lisa Paus: „Die Verhältnisse sind also nicht auf Berlin übertragbar.“ Für Zimmer stellt sich angesichts des niedrigen Studentenanteils der UC aber die Frage, ob Berlin nicht die Fachhochschulen ausbauen müsse, um dort die Ausbildung der Bachelorstudenten zu konzentrieren.

Die Abgeordneten besuchten an zwei Tagen Berkeley, die berühmteste der unter dem Dach der University of California zusammengefassten zehn Hochschulen. Der privaten Elite-Uni Stanford widmeten sie einen Tag, ebenso der State University und dem City College in San Francisco. Während sie in Stanford der deutsche Hochschulreformer Hans Weiler und der „Provost“ – der zweitmächtigste Mann der Uni nach dem Präsidenten – herumführten, trafen sie in Berkeley „nicht so sehr die Spitzen der Uni, sondern viele Professoren, Wissenschaftler und Studenten“, sagte Nicolas Zimmer (CDU).

0 Kommentare

Neuester Kommentar