Gesundheit : Universität Potsdam: Neue Bibliothek in einstiger Lagerhalle

Heiko Schwarzburger

In Griebnitzsee ist gestern die neue Bereichsbibliothek der Universität Potsdam eröffnet worden. Was das bedeutet, wird aus den Worten der Betroffenen deutlich: "Bisher fanden die Benutzer hier in Babelsberg die schlechtesten Bedingungen vor: enge Räume, nur 100 Leseplätze und einen geringen Freihandbestand", sagte Bibliothekschefin Barbara Schneider-Eßlinger. "Jetzt haben wir 400 Arbeitsplätze, die Freihandausleihe ist auf 250 000 Bände gewachsen."

Nach vierjähriger Bauzeit übergab Ulrich Schmidt, der Leiter der Abteilung Hochschulen im Potsdamer Wissenschaftsministerium, die Schlüssel für den sanierten Altbau, der jetzt als Bibliothek dient. Insgesamt 400 000 der rund eine Million Bücher der Potsdamer Universitätsbibliothek werden in Griebnitzsee stehen. Die neue Bücherei übernimmt die Literaturversorgung der in Potsdam-Babelsberg ansässigen Fakultäten für Rechtswissenschaft, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.

Der Gebäudekomplex am Bahnhof Griebnitzsee war in den 40-er Jahren als Hauptsitz für das Deutsche Rote Kreuz errichtet worden. Der langgestreckte Bau mit Rampe am Gleis diente als Lager für Tragen, Decken, Verbandszeug und Medikamente. Nach dem Krieg siedelte die SED-Führung dort die parteitreue Akademie für Staat und Recht an, eine ihrer Kaderschmieden. Auch die Akademie nutzte das Gebäude, das jetzt zur Bibliothek umgebaut wurde, als Lagerhalle.

"Als ich 1991 ins Magazin in den Keller hinabstieg, brauchte man noch Gummistiefel", erinnerte sich Uni-Rektor Wolfgang Loschelder. Architkekt Andreas Wunderlich fügte hinzu: "Das alte Gebäude befand sich in schlechtem Zustand. Es für die neue Nutzung herzurichten, war eine große Herausforderung." Der Umbau des zweigeteilten Lagerhauses kostete 9,5 Millionen Mark. "Ein Neubau wäre um ein Drittel teurer geworden", meinte der Architekt.

Auf rund 2900 Quadratmetern bietet die neue Bibliothek eine entspannte Atmosphäre wie kaum ein anderes Büchermagazin in der Region. Die beiden rund 60 Meter langen Seitenflügel bergen Regale und Leseplätze. Große Fenster und die Deckenverglasung nutzen das Tageslicht auch im Winter bis zum letzten Sonnenstrahl voll aus.

Neben den rund 400 000 Bänden bietet die Bereichsbibliothek auch modernste Ausstattung mit Datenbanken, CD-ROM, digitalisierten Texten und Dokumenten. Die Kataloge werden ausnahmslos elektronisch geführt. Für 175 PC, Laptops oder Notebooks stehen die Anschlüsse bereit. Über 1100 wissenschaftliche Zeitschriften werden hier geführt, rund 4900 sind es an der ganzen Universität. Auch Internet-Dienste sind an den Leseplätzen abrufbar. Zur Bibliothek gehört weiterhin eine UNO-Dokumentationsstelle, die Tagungsberichte, Resolutionen, Sitzungsprotokolle und Statistiken sammelt.

Die Universität Potsdam hat derzeit drei große Bereichsbibliotheken in Babelsberg, am Neuen Palais und in Golm. Im vergangenen Jahren wurden 450 000 Ausleihen registriert. Für den Ankauf neuer Bücher und Datenträger stehen jährlich 4,1 Millionen Mark bereit.

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