Gesundheit : Universitäten bieten einen Anlaufpunkt im hektischen Uni-Alltag

Claudia Kurreck

"Dass Jesus ans Kreuz musste, ist doch völlig verrückt." Wer morgens Philosophie, Mathematik oder Jura büffelt, nimmt Religion nicht ohne Fragen hin. Anne Pratzka, die an diesem Mittwoch den Glaubensgrundkurs der Studentenmission (SMD) leitet, kennt diese Probleme. "Die Sünde musste bestraft werden. Aber statt die Menschen zu verdammen, hat Gott sich in Jesus selbst geopfert - aus Liebe", versucht die 21-jährige Studentin zu antworten. Zumindest zwei Teilnehmer haben da Zweifel. Jeden Mittwoch lädt die SMD um 19.15 Uhr zum offenen Abend ein. Nach einem gemeinsamen Essen teilen sich die Teilnehmer auf. Einige gehen in den Glaubensgrundkurs, andere sprechen über die Bibel.

Studentenleben besteht eben nicht allein aus Disko, Party und viel Freiheit, sondern ist für den Einzelnen erstmal verwirrend. Besonders wenn er neu in Berlin ist. Manch einer fühlt sich in der Anonymität einer Großstadt und einer Massenuniversität regelrecht verloren. Da können die vielen christlichen Gruppen an den Universitäten ein erster Anlaufpunkt sein, eine Gemeinschaft, die bei kleinen und großen Problemen Hilfe anbietet. An der Freien, der Technischen und der Humboldt Universität existieren zahlreiche Gruppen, in denen der christliche Glauben thematisiert wird. Die Studierenden können sich zwischen der Evangelischen und Katholischen Studentengemeinde, der Studentenmission und dem internationalen Arbeitskreis christlicher Studenten entscheiden.

Die Gruppen sind offen für Studierende aller Fach- und Glaubensrichtungen und bieten eine Vielzahl von Veranstaltungen an. Zehn Arbeitskreise sollen die jungen Leute beispielsweise in der Evangelische Studentengemeinde (ESG) zum Mitmachen ermutigen. Von Themen wie Cuba und Asyl in der Kirche über Chor, Volleyball und Politik bis hin zum EDV-Arbeitskreis wird ein umfang- und abwechslungsreiches Programm angeboten. Zusätzlich werden 14-tägig Gottesdienste, Feste und Gemeindeabende organisiert, an denen Voträge zu verschiedenen Themen gehalten werden.

Die 21-jährige Andrea Schulz ist seit einem knappen Jahr mit von der Partie. "Ich wollte über aktuelle Dinge mit anderen Studenten reden und war auf der Suche nach etwas Beständigerem", gibt sie als Grund für ihre Mitarbeit bei der ESG an. "Es ist toll, dass man sich überall einbringen kann", erzählt sie. So sei sie im Poltik-Arbeitskreis engagiert und gleichzeitig Referentin für Feste und Feten. "Jeden Donnerstag treffen wir uns zum Abendbrot", berichtet Schulz weiter. Für zwei Mark hätten sie ein leckeres Essen und würden viele Freunde treffen.

Fußball und Gesprächsrunden

Die Angebote anderer christlicher Vereinigungen sind ähnlich. In der Katholischen Studentengemeinde (KSG) können die Hochschüler beispielsweise Fußball spielen, Marionetten bauen, sich im Theaterkreis ausprobieren oder auch philosophieren. Beratungen für ausländische Studierende werden von allen christlichen Gruppen angeboten. Anders als bei den evangelischen existieren mehrere unispezifische katholische Studentengemeinden. Die Katholische Studentengemeind (KSG) der Humboldt-Universität bietet zum Semester ein spezielles Thema an, das aus unterschiedlichen Perspektiven bearbeitet wird. Das Thema des vergangenen Semesters war "Lebenslügen - Lebenslagen - Lebensfragen".

Auch die Studentenmission in Deutschland (SMD) ist ein Sammelbecken für christlich orientierte Studierende. Sie ist deutschlandweit an 60 Hochschulen vertreten; ihre Berliner Außenstelle befindet sich an der Humboldt-Universität. Im Gegensatz zur ESG und KSG findet man hier so ein breites Freizeitangebot. Anne Pratzka, die heute den Glaubensgrundkurs leitet, erzählt, wie sie selber dazu gekommen ist. "Ich habe diese Gruppe konkret gesucht, um mit anderen über meinen Glauben zu sprechen", sagt sie. "Die Arbeit ist das beste Management-Training", denn es müsse sehr viel organisiert werden wie beispielsweise Referenten, Räume, Treffen und Werbung. Neben seinem Mittwochstreffen bietet der SMD Hörsaalvorträge zu unterschiedlichen Themen an.

Die christlichen Gruppen müssen auf sich aufmerksam machen. Daher werben die Studentengemeinden mit Plakaten an den Universitäten, verteilen Informationsbroschüren und stellen Seiten ins Internet. Doch der Sektenbeauftragte der Freien Universität Markus Wende warnt: "Einige Gruppen, die sich als Christen ausgeben, sind Sekten." So hätten die "University Bible Fellowship" und die "Gemeinde Jesus Christus" auf Beschluss des akademischen Senats Werbungs- und Raumverbot an der FU. Hier ist Vorsicht geboten. Wer sich aber an die ESG, KSG oder die Studentenmission hält, kann nicht viel verkehrt machen.Informationen: Evangelische Studentengemeinde, Borsigstraße 5, 10115 Berlin, Tel.: 28388223, www.esgberlin.de ; Katholischen Hochschulgemeinde "Thomas Morus", Klopstockstraße 31, 10557 Berlin, Tel.: 391-7071, http://userpage.fu-berlin.de/-ksg/ ; Katholischen Studentengemeinde "Maria Sedes Sapientiae", Hildegard-Jadamowitz-Straße 25, 10243 Berlin, Tel.: 29490593, www2.rz.hu-berlin.de/ksg ; Studentenmission in Deutschland (SMD), Tel.: 771-1806 Joachim Schmidt und 24720089 Anne Pratzka, www2.hu-berlin.de/smd/vorstellung.html ; Internationaler Arbeitskreis christlicher Studenten, c/o Jan-Dirk Schmöcker, Wintgenstraße 8, 12101 Berlin, Tel.: 78992442.

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