Gesundheit : Vierjährige sind zu jung für die Schule

Die meisten Deutschen sind gegen eine sehr frühe Einschulung

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Entgegen den Empfehlungen von Wissenschaftlern möchte die überwiegende Mehrheit der Menschen in Deutschland nicht, dass Kinder schon mit vier Jahren in die Schule gehen. In einer polisUmfrage, bei der über 1000 Menschen befragt wurden, widersprachen 76 Prozent dem Vorschlag von Bildungsexperten, angesichts der demographischen Entwicklung bereits Vierjährigen einen Schulbesuch zu ermöglichen. Lediglich 23 Prozent unterstützten einen derart frühen Einschulungstermin, bei Eltern mit Kindern unter 14 Jahren sind es nur 18 Prozent.

FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper forderte im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ von den Kultusministern, die Möglichkeit einer frühen Einschulung zu schaffen. Die Länder müssten dazu einheitliche Qualitätsstandards für Kindergärten einführen. Diese könnten den Übergang zu einer freiwilligen „Kinderschule“ nach dem Vorbild der französischen École maternelle erleichtern, sagte Pieper. Nach ihren Vorstellungen sollen der halbtägige Besuch eines Kindergartens kostenlos sein. Es sei nicht länger hinnehmbar, dass „Kindergärten immer teurer werden und Studienplätze endlos kostenfrei sind“.

Der Präsident der Freien Universität Berlin, Dieter Lenzen, und die Prognos AG hatten in einer Bildungsstudie der bayerischen Wirtschaft vorgeschlagen, besonders lernstarken Kindern bereits im Alter von vier Jahren einen Schulbesuch zu ermöglichen. Nur durch die Mobilisierung aller Bildungsreserven könne der drohende Mangel an qualifizierten Arbeitskräften ausgeglichen werden.

Nach Berechnungen der Kultusministerkonferenz wird es im Jahr 2015 nur noch rund 700 000 Erstklässler geben. Zu Beginn dieses Schuljahres 2003/2004 waren es laut Statistischem Bundesamt noch 838 700. In Deutschland gehen die Kinder üblicherweise erstmals mit sechs oder sieben Jahren in die Schule. In Ausnahmefällen ist auch eine Einschulung bereits mit fünf Jahren möglich. In den Niederlanden können dagegen Kinder bereits mit vier in die Schule.

Am stärksten gegen eine Einschulung Vierjähriger sind Frauen, ältere Menschen und Leute mit eher niedrigem Bildungsniveau. Der Umfrage zufolge lehnen 83 Prozent der Frauen den Vorschlag der Wissenschaftler ab, bei den Männern sind es 69 Prozent. Aufgeteilt nach Altersgruppen steigt der Grad der Ablehnung von 71 Prozent bei den 14- bis 34-Jährigen auf 80 Prozent bei den über 55-Jährigen. Die Zustimmung zu dem Vorschlag sinkt entsprechend von 29 auf 19 Prozent. dpa

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