Gesundheit : Vorsicht, frische Farbe

Der Nase nach: „Rundgang“ in der Universität der Künste Berlin

Tom Heithoff

Der Künstler liest in einem Buch. Seine Arbeit ist getan. Schauen sollen jetzt die anderen. Ein häufiger Anblick auf dem „Rundgang 2003“ der Universität der Künste, der am vergangenen Wochenende stattfand. Die Künstler ziehen sich in den Hintergrund zurück und lassen die interessierte Öffentlichkeit in die Ateliers, wo es nach frischer Farbe riecht. Besonders hier vor dem Gemälde von Florian Schulz, der die warmen erdigen Farben dreidaumendick auf die Leinwand gespachtelt hat, entströmt ein intensiver Geruch dem frischen Kunstwerk. Ja, die Bildkunst ist auch ein Genuss für die Nase.

Vielerlei Gerüche locken das Publikum in die Werkstätten der Druckgrafik. Werkstattleiter Helmut Müller ist mit seinen Schülern noch voll im Gange. Hier entstehen Lithografien. Stein wird geschliffen, mit Lösungen und Farbe bestrichen, mit Zeichnungen versehen. Und immer wieder drückt Müller eine mit Farbe getränkte, schmatzende Gummiwalze über die Steinplatte, und die Kinder auf den Schultern ihrer Väter wollen gar nicht mehr weg. Nebenan erklärt Mathias Roloff, der eine Serie zum „Schimmelreiter“ ausstellt, freundlich den Besuchern die Technik der Radierung: das Ritzen des Metalls, das Ätzen der Tiefen, das Auffüllen mit Farbe, das Polieren. Und dass die aufgebrachte Zeichnungsritzung spiegelverkehrt sein muss, da von der Platte ja noch der Abdruck auf Papier gemacht wird. Ihm selbst sei das spiegelverkehrte Arbeiten inzwischen fast in Fleisch und Blut übergegangen. Eine so alte Technik findet immer noch Anhänger? „An der UdK gibt es noch viele, die Radierungen machen“, sagt Roloff. Der Kupferstich hingegen sei so gut wie ausgestorben.

Arbeiten von Roloff begegnen uns später noch einmal. Diesmal ist es Malerei, darunter Stillleben. Mit diesem Malstil ist er hier ziemlich allein. Der Wille zum Grellen und Wilden ist beim „Rundgang 2003“ nicht zu übersehen. Dazu sind viele Anleihen bei Comic und Popart zu beobachten.

Wer bevölkert eigentlich noch die Gänge außer Mitkünstlern und anderen Neugierigen? Es sollen ja auch immer Galeristen und Kunstsammler dabei sein – auf der Jagd nach neuen Talenten. Bilder verkaufen – Geld verdienen? Studentin Katarina Belski blickt skeptisch. Spontane Käufe seien so selten, dass sich die meisten Studenten gar keine Gedanken über einen möglichen Verkaufspreis ihrer Werke machten.

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