Gesundheit : Warum bekommen wir Seitenstechen?

Thomas de Padova

Wer in der Schule nie sitzen geblieben ist, läuft stattdessen Gefahr, seine Berufsjahre aussitzen und am Schreibtisch verbringen zu müssen. Beim Joggen geht ihm dann schnell die Puste aus. Der typische Büromensch macht kurze, unregelmäßige Atemzüge, braucht viel Luft und kriegt eher Seitenstechen. Selbst wenn’s an Kampfgeist und roten Muskelfasern nicht mangelt, hilft beim Laufen oft nur eins: das Tempo erst einmal drosseln.

Die meiste Muskelarbeit für die Atmung leistet das Zwerchfell. Es ist wie das Herz das ganze Leben lang aktiv und bewegt sich wie ein Kolben zwischen der Brusthöhle und dem Bauchraum auf und ab. Beim ruhigen Einatmen zieht es sich zusammen und sinkt wenige Zentimeter, während gleichzeitig die Zwischenrippenmuskeln den Brustkorb heben. Dadurch vergrößert sich der Brustraum und saugt frische Atemluft an. Je tiefer wir atmen, umso weiter sinkt das Zwerchfell. Besonders ökonomisch atmen wir bei mittlerer körperlicher Belastung. Dann brauchen wir am wenigsten Luft, um dem Blut Sauerstoff zuzuführen. „Bei hoher Belastung wird die Atmung jedoch zunehmend ineffizient“, sagt Hans-Georg Predel, Leiter des Instituts für Sportmedizin an der Deutschen Sporthochschule Köln. „Die benötigte Menge Atemluft steigt dann überproportional an.“ Das bedeutet Mehrarbeit fürs Zwerchfell.

Diese Überbelastung steht genauso im Verdacht, Seitenstechen zu verursachen, wie eine Unterversorgung der Atemmuskulatur mit Blut. Ein strapaziertes Zwerchfell benötigt selbst auch viel Sauerstoff. Auf diesen Bedarf reagiert der Körper mitunter nicht schnell genug. Denn beim schnellen Laufen werden zunächst die Beinmuskeln mit mehr Blut versorgt.

Vermeiden lassen sich Seitenstiche wohl am ehesten durch ein gleichmäßiges, tiefes Atmen ohne Zwischenspurts. Wer beim Ausdauertraining sein Atemvolumen vergrößert, fördert den Sauerstoffaustausch in der Lunge am besten. Eine Erhöhung der Atemfrequenz bringt dagegen wenig, weil die Luft in der Lunge dann schlechter durchmischt wird. Empfohlen wird auch, vor dem Sport nicht übermäßig zu essen, damit die Verdauungsorgane die Bewegung des Zwerchfells nicht behindern.

Dass sich die Überanstrengung ausgerechnet in der Seite durch Stiche bemerkbar macht, könnte mit der sensorischen Nervenversorgung des Zwerchfells zusammenhängen, meint Predel. „Sie wird an ganz bestimmten Punkten verschaltet.“ Und die liegen etwa in Höhe unserer Flanken.

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