Gesundheit : Warum gibt es Schaltsekunden?

Thomas de Padova

Sie wird für ein Augenzwinkern reichen, bestenfalls für einen flüchtigen Kuss. Die Schaltsekunde, die uns zu Beginn des neuen Jahres von 0 Uhr 59 und 59 Sekunden auf 1 Uhr geschenkt wird, wäre kaum der Rede wert. Wenn es nicht immer wieder Streit um sie gäbe.

Ginge es nach den USA, hätte ihr letztes Stündlein geschlagen. Denn wann nach gängigen Bestimmungen eine Schaltsekunde eingefügt wird und wann nicht, ist unvorhersehbar. Zuletzt geschah dies 1999, aber seit 1958 insgesamt 32 Mal. Es muss jeweils relativ kurzfristig entschieden werden, und das gilt im Zeitalter synchronisierter Computer als störend.

Die Briten dagegen stört viel mehr, dass die Amerikaner die Zeit von den astronomischen Gegebenheiten abkoppeln wollen. Wenn die Erde sich mal schneller und mal langsamer dreht, sollten wir unsere Zeitmessung nach guter alter Tradition weiterhin daran anpassen.

Die unbeständige Erdrotation ist eine Laune der Natur. Langfristig wird die Erde immer langsamer. Die Anziehungskraft des Mondes bremst sie ab, die Flutberge liegen wie Bremsbacken auf dem Globus. „Die Tage werden daher länger“, sagt Andreas Bauch, Leiter der Arbeitsgruppe Zeitübertragung bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt. Vor einer Milliarde Jahre drehte sich die Erde noch so schnell, dass ein Tag nach heutigen Maßstäben nur 21 Stunden dauerte. Daraus sind 24 geworden. „Pro Jahrhundert kommen etwa zwei Millisekunden dazu.“

Es gibt jedoch starke kurzzeitige Schwankungen, etwa weil sich die Bewegung des Magmas im Erdmantel im Lauf der Jahrzehnte ändert. Auch Winde können die Rotation bremsen, so etwa 1997, als das Klimaphänomen El Nino derart wütete, dass sich das Jahr um eine Zehntelsekunde verlängerte.

Das Tempo der Erddrehung variiert sogar mit den Jahreszeiten. Das stellten 1935 Forscher der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt in Charlottenburg mit Hilfe von Quarzuhren fest. Während die Südhalbkugel zu 80 Prozent aus Ozeanen besteht, sind im Norden die Kontinente deutlich größer. Das sorgt für unterschiedlich heftige Winde: Wenn bei uns Sommer ist, dreht sich die Atmosphäre langsamer als im Winter, wenn die Sonne die Ozeane der Südhalbkugel kräftiger bescheint. Im Winter wird die Erde daher stärker von Winden gebremst, die Wintertage sind geringfügig länger.

Es geht auch hier nur um Bruchteile einer Sekunde. Die aber sind weltbewegend.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben