Gesundheit : Warum ist Gähnen ansteckend?

Thomas de Padova

Kaum hat der Erste in der Runde damit angefangen, legt auch schon der Nächste los. Unwillkürlich reißt er den Mund auf, so weit, dass die Gesichtsmuskeln auf die Tränendrüsen drücken. Die Augen werden feucht, die Herzfrequenz steigt, das Einatmen will gar kein Ende mehr nehmen – bis nach all dem Luftholen und Muskelstrecken endlich die große Entspannung folgt.

Gähnen kann so angenehm sein! Und so peinlich, wenn man dann merkt, dass man die Hand nicht vor den Mund gehalten hat. Dabei dürfen es – den Erkenntnissen der Forschung zufolge – ruhig alle sehen. Gähnen ist nämlich ein Ausdruck des Mitgefühls.

Der Psychologe Steven Platek aus Philadelphia hat soeben in einer Testreihe herausgefunden, das nur verständnis- und teilnahmsvolle Personen durch andere zum Mitgähnen angeregt werden. Dagegen können sich die Gähnresistenten und Widerständigen auch in anderen Lebenssituationen schlecht in die Lage ihrer Mitmenschen hineinversetzen. Wer mitgähnt, identifiziert sich mit dem anderen und teilt ihm mit: „Ich verstehe, was in dir vorgeht.“ Gähnen ist so ansteckend wie das Lachen oder die Trauer, die wir empfinden, wenn ein anderer lacht oder traurig ausschaut.

Womöglich war diese Empathie für unsere Vorfahren einmal von Bedeutung. Denn ein Signal, dass sich auf eine ganze Gruppe überträgt, fördert den Zusammenhalt. Und bewirkt, dass alle gleichzeitig müde werden und schlafen gehen.

AHA!

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