Gesundheit : Warum läuft Silber an?

Thomas de Padova

Wer Münzen sammelt, kennt den Unterschied: Goldmünzen bleiben auch nach langer Zeit metallisch rein, Silbermünzen verfärben. In günstigen Fällen bildet sich eine Patina darauf, die das Alter der Münzen betont. Oft jedoch kommt es zu weniger schönen Veränderungen, die ihren Wert mindern.

„Das Anlaufen von Silber ist keine ungewöhnliche Eigenschaft von Metallen“, sagt Robert Schlögl, Direktor am Fritz-Haber-Institut in Berlin. Es gebe kaum Metalle, die nicht korrodieren. Auch Stahl ist da keine Ausnahme. „Meist ist die Korrosionsschicht aber so dünn, dass man sie nicht sehen kann.“

Edelmetalle wie Gold oder Silber sollten keine Altersflecken zeigen. Schließlich heißen sie deshalb „edel“, weil sie nicht oder nur wenig mit anderen Substanzen reagieren, insbesondere nicht mit dem Sauerstoff aus der Luft.

Sauerstoff hat eine besondere chemische Struktur. Das Element reißt mit Vorliebe fremde Elektronen an sich und füllt so seine äußere Elektronenschale auf. Daher verbindet sich Sauerstoff besonders gerne mit Stoffen, die bereit sind, Elektronen abzugeben, weil sie eine zu gering bestückte äußere Elektronenschale besitzen. Magnesium reagiert heftig mit Sauerstoff, Eisen rostet, vor allem in feuchter Umgebung, Kupfer korrodiert schon weniger, Silber und Gold kann Sauerstoff aber fast gar nichts anhaben.

Findet ein Silberatom jedoch einen anderen Reaktionspartner als Sauerstoff, ändert sich die Sache. Schwefelwasserstoff ist so eine Substanz. Die Verbindung ist immer in Spuren in der Luft vorhanden, aber auch in gekochten Eiern, die man tunlichst nicht mit einem Silberlöffel essen sollte. Schwefelwasserstoff geht in Anwesenheit von Sauerstoff eine nur schwer lösliche Verbindung mit Silber ein. Auch beim Essen von Erbsensuppe mit dem Silberlöffel läuft man Gefahr, dass sich dieser verfärbt und schwarz wird. Das anschließende Silberputzen ist eine mühselige Angelegenheit.

In welcher Umgebung welche Stoffe besonders stark korrodieren, ist selbst für Chemiker nicht immer leicht vorherzusehen. So kann sich die harmlos erscheinende Milch als äußerst aggressiv erweisen. Sie habe schon viele Edelstahlrohre in Molkereien bis zu Undichtigkeit korrodiert, sagt Schlögl.

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