Gesundheit : Warum sind Blätter grün?

Thomas de Padova

Endlich wieder raus, ins Grüne. Ans Sonnenufer, wo alles wächst und blüht, wo Bäume, Sträucher und Gräser ihre sanften Lippen öffnen, um Licht einzuatmen, das nun wieder reichlich zu haben ist. Rotes Licht, gelbes, grünes und blaues – das ganze Regenbogenspektrum der Farben, aus denen sich die Strahlung der Sonne zusammensetzt und die uns nur zusammengenommen weiß erscheinen.

Die Pflanzen verwerten von alledem nur einen Teil. Sie nehmen hauptsächlich rotes und blaues Licht auf. Im bislang unnachahmlichen Akt der Photosynthese verwandeln sie das Licht in chemische Energie, stellen Zucker und Stärke her. Das grüne Licht hingegen verschmähen sie. Ihre Blätter werfen es größtenteils zurück. Und so sehen wir rundum grün, wenn wir uns in den satten Frühling hinausbegeben.

Der grüne Blattfarbstoff der Pflanzen, das Chlorophyll, verarbeitet die roten und blauen Sonnenstrahlen sehr effizient. Aber warum schätzen die Blätter ausgerechnet das gelbe und grüne Licht gering, wo doch die maximale Sonneneinstrahlung gerade im Grüngelben liegt?

Mehr Licht? Wäre da. Aber die Pflanze braucht zu ihrem Wachstum nicht noch mehr Licht, als das Blattgrün einzufangen vermag. Sie muss sich – im Gegenteil – vor allzu viel Licht schützen, damit ihre Zellen auf Dauer nicht zerstört werden.

Dazu verfügt sie über weitere Farbpigmente, die stets in enger Nachbarschaft zum Chlorophyll liegen. „Diese gelblichen Carotinoide können überschüssige Energie aufnehmen und als Wärme abgeben“, sagt Matthias Rögner, Pflanzenbiochemiker der Ruhr-Uni Bochum. Sie sind ein natürliches Sonnenschutzmittel.

Während etliche Meeres- und Mikroorganismen auch das grüne Licht begierig aufnehmen, sind Bäume und Gräser kaum daran interessiert. Aber wenn auch nicht direkt zum Wachstum, so wissen sie grünblaues Licht doch anderweitig zu nutzen: zur Orientierung im Raum und der Bewegung zum Licht hin. Treffen die grünblauen Strahlen ein, signalisieren spezielle Rezeptoren der Pflanze, in welche Richtung sie wachsen soll. In der Regel nach oben. So wird der Baum lang und länger.

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