Gesundheit : Warum stellt sich die Funkuhr automatisch um?

Thomas de Padova

00Uhr00. Der Moment, an dem alles von neuem beginnen soll. Eine Sanduhr hätte man nun einfach umgedreht, um die Zeit zum Laufen zu bringen. Die Funkuhr steht still. Sie braucht nach dem Batteriewechsel erst einmal: Zeit.

Die Zeit kommt durch die Lüfte. Per Langwelle. 3,8 Kilometer misst ein Wellenzug des Signals, das der deutsche Zeitsender in Mainflingen bei Frankfurt losschickt. Sehr kurze Wellen würden hier und da reflektiert, an Häusern und Fabrikhallen, die Langwelle dringt in alle Gebäude ein. Und mit sich trägt sie, in kodierten Sequenzen, Sekunden, Minuten und Stunden, Tag, Monat und Jahr.

Dieses Zeit-Telegramm gibt sie binnen einer Minute an die Funkuhr weiter. Die Daten fließen im Sekundentakt: Jede Sekunde ein Standardsignal, das entweder 0,1 oder 0,2 Sekunden dauert. Nur mit diesen beiden Möglichkeiten, 0,1 oder 0,2, Ja oder Nein, lassen sich sämtliche relevanten Zeitinformationen kodieren.

Alle Zahlen von 1 bis 60 zum Beispiel ergeben sich aus einer entsprechenden Addition von 1, 2, 4, 8, 10, 20 und 40. Für diese sieben Zahlen ist jeweils eine Sequenz in der Signalkette freigehalten. Beispielsweise soll 10Uhr21 gesendet werden. Fangen wir mit den Minuten an:

Die Minutenangabe wird grundsätzlich in den Sekunden 21 bis 27 übertragen. Wenn das 21. und 26. Signal jeweils 0,2 Sekunden dauern (Ja) und die übrigen Signale nur 0,1 Sekunden (Nein), rechnet die Uhr: 1+0+0+0+0+20+0. Macht: 21 Minuten. Genauso ergeben sich die Stunden aus Signal 29 bis 34, der Kalendertag wiederum aus anderen.

Die Funkuhr nimmt all dies geduldig auf. „Aber nach nur einem Durchlauf glauben viele Uhren der neuen Zeit noch nicht“, sagt Dirk Piester, Physiker im Zeitlabor der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig. Die Funkuhren warten. Zwei Minuten, drei Minuten. Sie springen nach einem Batteriewechsel oder der Umstellung auf die Sommerzeit erst dann um, wenn ihnen nacheinander eintreffende Zeit-Telegramme plausibel erscheinen.

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