Gesundheit : Was Ausländer erwartet

Bildungsministerin Bulmahn will Studiengebühren von Gaststudenten. Der DAAD fordert außerdem strenge Eignungstests

Hermann Horstkotte

Edelgard Bulmahn (SPD) will Studiengebühren – von Ausländern. Sie möchte Studienbewerbern, die nicht zur Europäischen Union gehören, zumuten, was etwa in den USA oder in England ganz selbstverständlich ist: Gebühren ab dem ersten Semester. „Das soll nicht bundesgesetzlich geregelt werden“, erklärt ihr Sprecher Florian Frank dem Tagesspiegel. „Die Ministerin macht den Vorschlag nicht von Amts wegen, sondern als sozialdemokratische Politikerin.“ Deutsche Studenten und gleichgestellte EU-Bürger dagegen sollen in der Regelstudienzeit und ein wenig darüber hinaus wie bisher Gebührenfreiheit genießen.

Bulmahns Idee, Studiengebühren von Gaststudenten zu erheben, ist nicht neu. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) vertritt den Gebührenvorschlag schon länger und erläutert ihn jetzt in seinem Aktionsprogramm „Auf dem Weg zur internationalen Hochschule (2004-2010)“.

Ausschlaggebend ist die Finanznot der Universitäten. Angesichts eines gleichbleibend starken Andrangs inländischer Studienbewerber und andauernden Wegfalls von Hochschullehrerstellen leide die notwendige Betreuung von Bildungsausländern besonders, heißt es im Aktionsprogramm. Dass deren „Studienerfolgsquote unter fünfzig Prozent liegt“, könne „im internationalen Wettbewerb kein Werbeargument sein“, meint der DAAD. Mit den Gebühren sollen Extraleistungen bei der sprachlichen, sozialen und akademischen Integration möglich werden, zugleich aber auch Stipendien für bedürftige Begabte aus aller Welt. Ergänzend stellt DAAD-Generalsekretär Christian Bode gegenüber dem Tagesspiegel klar: „Gute Doktoranden müssen nicht zahlen, sondern bezahlt werden wie an den besten US-Hochschulen.“

„Wir brauchen die besten Köpfe an unseren Hochschulen, das dient uns selbst und deren Herkunftsländern gleichermaßen“, sagt Bode. Deshalb fordert der DAAD Eignungstests für alle Nicht-EU-Bürger. Für Inländer und gleichgestellte Europäer kommt eine solche Hürde wegen der verfassungsrechtlich abgesicherten „Hochschulzugangsberechtigung“ einstweilen noch nicht flächendeckend in Frage. Für die Gaststudenten sind durchgängige Aufnahmeprüfungen in den meisten Bundesländern von Rechts wegen jetzt schon möglich. Meist wird aber, auch in Berlin, nach der reinen Papierform ausgesucht und auf Auswahlgespräche mit den Professoren verzichtet.

Dem Hochleistungsgedanken entsprechend, will der DAAD die internationale Werbung für den Studienstandort Deutschland künftig auf „prioritäre Fächergruppen“ konzentrieren. „Das sind die Fächer“, sagt Bode, „in denen wir zur Weltspitze gehören wie zum Beispiel in vielen Ingenieurwissenschaften. Auch die deutschen Musikhochschulen haben Ausländerquoten, von denen andere Fächer nur träumen können.“

Die Idealvorstellungen des DAAD bleiben nicht abstrakt. Bode verweist auf neunzig „internationale“ oder „auslandsorientierte“ Studiengänge, die an deutschen Unis in den vergangenen Jahren aufgebaut wurden. Rund 14 000 Studenten waren nach Aufnahmetests dabei. Gut achtzig Prozent der Absolventen brauchten höchstens ein Semester mehr bis zum Abschluss als in der amtlichen Regelstudienzeit vorgesehen; nur fünf Prozent benötigten eine Verlängerung um ein Jahr.

„Durch einen Online-Test zu fachlichen Vorkenntnissen ließ sich die Zahl der Interessenten von 1500 auf 60 reduzieren“, erläutert Thomas Hollstein vom Master-Studiengang Information and Communication Engineering an der Technischen Universität Darmstadt. „Transparenz unserer fachlichen Anforderungen ist das Erste, was wir potenziellen Studenten schulden“, sagt der Hochschullehrer. Klares Anspruchsdenken bewahre sie vor schweren Frustrationen in Deutschland.

Informationen im Internet:

www.daad.de/de/download/aktionsprogramm.pdf

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