Gesundheit : Wenn das Klärwerk des Körpers versagt Nieren-Weltkongress in Berlin

Elke Binder

Nierenerkrankungen sind zu einer Volkskrankheit geworden. Das beklagen die führenden Fachärzte auf ihrem derzeit in Berlin stattfindenden Weltkongress. In Deutschland sind 80000 Menschen auf eine Dialyse oder ein Nierentransplantat angewiesen. Die Zahl der Menschen, die unter einer weniger schweren, aber gefährlichen Nierenerkrankung leiden, ist um ein Vielfaches höher.

Einer der Schwerpunkte der Tagung im Messezentrum, an der über 7000 Spezialisten aus der ganzen Welt teilnehmen, ist der bedrohlich enge Zusammenhang zwischen Nieren- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. „Schon eine leichte Einschränkung der Nierenfunktion steigert das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, um das doppelte“, sagte Johannes Mann vom Klinikum München-Schwabing am gestrigen Montag auf dem Kongress. Die Gründe dafür sind bislang allerdings noch ungeklärt.

Bekannt dagegen sind die Hauptursachen für eine Nierenerkrankung: Bluthochdruck und Diabetes. Sie beide schädigen die Niere in ihrer lebensnotwendigen Funktion als Klärwerk des Körpers. Beunruhigend ist deshalb, dass die Zahl der Zuckerkranken zunimmt. In Deutschland stellt der Diabetes mellitus Typ 2 (der „Alterszucker“) die häufigste Ursache eines Nierenversagens dar.

Das Risiko wird unterschätzt, die Nierenerkrankung zu spät erkannt. Auch bei den Patienten mit Bluthochdruck wird die Niere bislang meistens nicht mit untersucht.

Das ist deshalb so problematisch, weil ein Patient mit einer Nierenerkrankung lange Zeit keine Beschwerden haben kann. Die Nieren können einen teilweisen Verlust ihrer Funktion ausgleichen. Weitere Nebenwirkung: Die Belastung des Gesundheitsbudgets. So kostet die Behandlung eines Dialyse-Patienten bis zu 50000 Euro im Jahr. Auch deshalb ist eine Früherkennung besonders wichtig.

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