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Ein neuer Rat soll die Rechtschreibreform begleiten

Anja Kühne

Wer soll in Zukunft über die Reform der deutschen Rechtschreibung wachen? Nachdem die „Zwischenstaatliche Kommission für deutsche Rechtschreibung“ und die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung ihre Gespräche abgebrochen haben, zeichnet sich jetzt ein Kompromiss ab. Ein neuer Rat soll die Rechtschreibung in den nächsten fünf Jahren beobachten und dann gegebenenfalls Anpassungen an den Sprachstand der Bevölkerung vorschlagen. Erich Thies, der Generalsekretär der Kultusministerkonferenz, sagte dem Tagesspiegel, er werde der Bundesregierung sowie Österreich und der Schweiz ein entsprechendes Gremium vorschlagen. Wer dem „Rat für deutsche Rechtschreibung“ angehören soll, sei noch völlig offen.

Bislang war die Rechtschreibreform Sache der Zwischenstaatlichen Kommission, der zwölf Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz angehören. Ihr Einfluss würde mit einem anders zusammengesetzten Rat gemindert. Die Deutsche Akademie ist offenbar bereit, an den Erörterungen über den neuen Rat teilzunehmen. Ob sie auch bereit sein wird, ihre Vertreter in das Gremium zu entsenden, dürfte abhängig sein von der Aufgabe, die dem Rat aufgetragen wird, und seiner Zusammensetzung. Die Kultusministerkonferenz wird in der nächsten Woche voraussichtlich den vierten Bericht der Kommission zur Rechtschreibung verabschieden. Der Bericht, der vom August 2005 an die verbindliche Grundlage für Schulen und Behörden legen soll, war der KMK bereits im März vorgelegt, damals jedoch nicht beschlossen worden. Die KMK hatte nach Protesten von Reform-Gegnern die Kommission aufgefordert, mit der Akademie einen Kompromiss zu finden. Die, wie Thies sagte, „leidenschaftlichen Diskussionen“ führten jedoch zu keinem gemeinsamen Ergebnis. Die Gespräche hätten aber trotzdem nochmals zu „Umformulierungen im Bereich der Getrennt- und Zusammenschreibung“ geführt, um die Kritik der Akademie zu berücksichtigen. Mit dem Bericht werden den Buchverlagen aber keine neuen Kosten entstehen, sagte Thies. Zwar würden zusätzliche Schreibvarianten zugelassen, die aber „Altes nicht falsch machen“.

Ein zukünftiger Streitpunkt bei der Einsetzung des neuen Rats könnte darin liegen, ob er Anpassungen von staatlichen Stellen abnehmen lassen muss oder sie selbstständig in das Reformwerk aufnehmen darf. Bei den Reformgegnern hatte das Ansinnen der Kultusminister, der Zwischenstaatlichen Kommission diese Freiheit zu gewähren, im Frühjahr Empörung ausgelöst.

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