Gesundheit : Wie in der Ära Brandt

Bis 1963 hatte die Stadt schon einen Supersenator

Uwe Schlicht

Ein gemeinsames Ressort für Wissenschaft und Schule – das gab es in Berlin schon einmal. Joachim Tiburtius, ein Geisteswissenschaftler alter Schule, leitete die beiden Bereiche seit 1951 als Senator für Volksbildung – unter den Regierenden Bürgermeistern von Ernst Reuter über Otto Suhr bis Willy Brandt. Erst im Jahr 1963, nachdem Tiburtius abgetreten war, kam es zur Aufsplitterung des Senatsressorts. Der radikale Schulreformer Carl-Heinz Evers wurde Schulsenator und der Naturwissenschaftler Werner Stein Senator für Wissenschaft und Kunst.

Von Berlin und von Hamburg ging damals bundesweit ein Trend zur Trennung der Bereiche Schule, Wissenschaft und Forschung aus. 1969 entschied sich nach den beiden Stadtstaaten Nordrhein-Westfalen als erster Flächenstaat dafür, Schule und Wissenschaft in zwei Ressorts zu teilen. Sechs Länder, die auf getrennte Ministerien setzten, waren es seit 1977. Damals entschloss sich Baden-Württemberg dazu, bei der Aufteilung das Ressort Schule und Sport Roman Herzog anzuvertrauen, der später Bundespräsident wurde. Hessen bestimmte im Jahr 1985 als Minister für Wissenschaft und Kunst den FDP-Politiker Wolfgang Gerhardt.

Bayern gehört zu den Ländern, die am längsten Widerstand gegen eine Aufspaltung der Ministerien leisteten. Erst als Hans Maier abtrat, der von 1970 bis 1986 in Wissenschaft, Schule und Kultur als alleiniger Minister den Ton angegeben hatte, kam es zu einer Aufteilung in getrennte Schul- und Wissenschaftsministerien. Diese Aufteilung wurde aber 1989 unter Hans Zehetmair wieder rückgängig gemacht. Das Imperium Zehetmairs als Großfürst für Schule, Wissenschaft und Kunst dauerte bis 1998. Dann kam es wieder zu einer Aufspaltung der Ministerien.

Für die Politik in Bayern unter Hans Maier waren zwei Grundsätze bestimmend: Im Schulbereich lehnte er Experimente mit der Gesamtschule ab und setzte auf eine klare Leistungsorientierung im herkömmlichen dreigliedrigen System. Eckpfeiler seiner Politik waren die Stärkung der Hauptschulen und hohe Leistungsanforderungen in den Gymnasien. Auf ähnlichen Grundsätzen basierte die Schulpolitik unter Wilhelm Hahn, der von 1964 bis 1978 Kultusminister in Baden-Württemberg war. Beide Länder legten gleichzeitig die Basis für leistungsstarke Forschungsuniversitäten. Sie erkannten frühzeitig, welche Bedeutung die konsequente Förderung der Universitäten für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes hat.

In Berlin setzte Carl-Heinz Evers dagegen auf die Expansion von integrierten Gesamtschulen, ebenso wie der hessische Kultusminister Ludwig von Friedeburg (1969 bis 1974). Hessen und NRW experimentierten darüber hinaus auch mit Gesamthochschulen, FH und Unis unter einem Dach.

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