Gesundheit : Wir treffen uns bei Feuerbach

JOSEFINE JANERT

Unsicher, aber nicht hilflos: Erstsemester nach dem Vorlesungsbeginn an der Humboldt-UniversitätVON JOSEFINE JANERTAn der elften Feuerbach-These sollten sich die Erstsemester des Fachs Geschichte treffen.Doch der Philosphen-Satz, der im Foyer der Humboldt-Universität in großen Lettern an der Wand prangt, ist nicht mit Feuerbachs Namen, sondern mit Karl Marx unterzeichnet.Weil es eine These über Feuerbach, und nicht von Feuerbach ist.Das fand Christine Weidemann verwirrend.Wo war nur Feuerbach? Dann sah sie ein paar Studenten, die schon vor dem Marx-Zitat standen "und auch nicht so selbstsicher wirkten", erzählt sie."Da wußte ich: Hier bin ich richtig." Die Fachschaftsinitiative hatte für die Erstsemester eine dreitägige Einführung organisiert, zu der Christine schriftlich eingeladen worden war.Bei einer "Unirallye" lernte sie das Gebäude kennen.Auch die Dozenten stellten sich vor.Schwierigkeiten, sich zu orientieren, hatte sie bereits, als sie vor einem Vierteljahr die Allgemeine Studienberatung aufsuchte."Die Gänge sahen alle gleich aus".Trotzdem findet Christine die HU noch übersichtlicher als die Freie Universität.Auch die Jura-Studentinnen Solveig Rappert und Catarina Stadler haben sich für die Humboldt-Universität entschieden, weil sie "nicht ganz so groß ist." Sie begeistern sich für das geschichtsträchtige Gebäude."Das ist eine richtige Bilderbuchuni", findet Solveig."Fast alle meine Freunde studieren an der FU.Da hatte ich den Anreiz, woanders hin zu gehen." Zu ihrer ersten Vorlesung kam die Jurastudentin nach einer Nachtschicht im Krankenhaus.Sie ist gelernte Krankenschwester und will auch weiter in ihrem Beruf arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren.Neben einem Jurastudium 20 Stunden pro Woche zu jobben, ist natürlich hart."Diese Arbeit ist mein sicheres, zweites Standbein", sagt sie.Wenn beim Studium mal etwas nicht klappt, dann findet sie Rückhalt bei ihren Kollegen. Christine, Solveig und Catarina wohnen in Berlin und müssen sich nicht in einer fremden Stadt zurechtfinden.Die Umstellung aufs Studium ist schwer genug."In der Schule und der Ausbildung haben wir fast alles vorgekaut bekommen", sagt Solveig."Hier müssen wir selbst entscheiden, was wir in der Vorlesung mitschreiben und was wir weglassen können." Als Jurastudentinnen bekamen Solveig und Catarina einen fertigen Stundenplan ausgehändigt.Christine mußte sich hingegen den Stundenplan selbst zusammenstellen.In ihrem Nebenfach Bibliothekswissenschaft half eine Studienberaterin bei der Auswahl.Jetzt stehen neunzehn Stunden auf dem Plan.Der Freitag bleibt frei."Den verbringe ich in der Bibliothek", plant sie. Solveig und Catarina sind noch unsicher, wenn sie im Hauptgebäude einen Raum suchen."Manchmal glaube ich, daß ich immerzu im Kreis gehe.Ich werde bestimmt noch oft den Pförtner nach dem Weg fragen müssen." Doch der ist zum Glück sehr freundlich.Wo war doch gleich Raum 3071? In der zweiten Etage und nicht in der dritten? "Die älteren Semester finden das sofort", sagt Christiane.Bei vielen sieht das nur so aus.

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