Gesundheit : Wissenschaft schlägt Wellen

Lange Nacht: Am Samstag präsentiert sich die Berliner Forschung

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Platsch! Mit einem lauten Klatschen bricht sich die Welle am Metallpfeiler. Ein paar Meter weiter strömt Wasser über einen simulierten Flusslauf aus Beton, sammelt sich an einem Wehr und fließt dann in ein tiefer gelegenes Sammelbecken. Gegenüber kann man kleine Wellen im Aquarium beobachten: wie sie entstehen, sich aufschaukeln und schließlich verebben.

Wir sind in der Experimentierhalle des Instituts für Wasserbau und Wasserwirtschaft der Technischen Universität Berlin. Sie ist sonst für die Öffentlichkeit unzugänglich. Hier hat man nachgebaut, wie der Fluss Mulde durch Dessau strömt und welche Kräfte auf Wellenbrecher wirken – simuliert im 80 Meter langen Wellenkanal. Das Institut präsentiert sich mit Dutzenden anderen Berliner Forschungseinrichtungen bei der dritten Langen Nacht der Wissenschaften am Sonnabend, den 14. Juni, von 17 bis ein Uhr. An diesem Tag können die Berliner einen Blick hinter die Kulissen des Wissenschaftsbetriebs werfen, sich informieren, unterhalten, experimentieren, Fragen stellen.

Neu in diesem Jahr: Die Geistes und Sozialwissenschaften stehen nicht länger im Schatten der bisher dominierenden Naturwissenschaftler und Ingenieure. So hat die Humboldt-Universität in ihrem Hauptgebäude ihre Geisteswissenschaftler versammelt. Hier kann man Klang- und Videoinstallationen erleben und sich anhören, wie Deutsch im achten Jahrhundert klang. Oder man kann an einem Sprachtest unter dem Motto „Sind Sie ein progressiver Sprecher des Deutschen?“ teilnehmen.

„Ein langer offener Samstag, der das Portemonnaie schont und den Geist bereichert“ verspricht Kurt Kutzler, Präsident der Technischen Universität. „Entdecken Sie Berlin als Stadt der Wissenschaften!“

Es werde eine „fröhliche Nacht“ mit „fröhlicher Wissenschaft“ werden, verspricht Kutzler, man wolle nicht „jammern und klagen“. Trotzdem werde man auch Kritik üben – an der Sparpolitik des Senats. Um 21 Uhr soll es an allen Orten der Langen Nacht eine Unterbrechung geben. Dann wird von den Veranstaltern darauf hingewiesen, welche Bedeutung ihre Einrichtung für Berlin habe und welche Folgen Kürzungen haben werden. An der Hauptfassade der technischen Universität werden außerdem von 22 bis 24 Uhr die Flammen hochzüngeln – natürlich nur als theatralisches, mit Bühnenscheinwerfern inszeniertes Spektakel. Motto: Finanzsenator Sarrazin, es brennt!

Im letzten Jahr verkauften die Veranstalter 15000 Tickets, insgesamt 80000 Institutsbesuche wurden gezählt. Für dieses Jahr hofft man auf noch mehr Interesse. Rund 300000 Euro hat die zentrale Organisation der Langen Nacht gekostet, nicht gerechnet die Ausgaben der einzelnen Wissenschaftseinrichtungen. Preis des Tickets in diesem Jahr: elf Euro (ermäßigt sieben), das Familienticket kostet 27 Euro. Besucherinformation telefonisch unter 030-28092765.

Wieder gibt es sechs Hauptstandorte, an denen Bus-Shuttles verkehren:

Adlershof: Die „Stadt für Wissenschaft, Wirtschaft und Medien“ zeigt unter anderem eine Ausstellung und Versuche zum Thema „Licht“ (am Max-Born-Institut).

Berlin-Buch: Der Biotechnik-Campus vermittelt Einblicke in die „Wunderwelt der Biowissenschaften“. So kann man seine Erbsubstanz aus der Mundschleimhaut isolieren und mit nach Hause nehmen.

Charlottenburg/Wedding: Technische Universität, Virchow-Klinikum, Herzzentrum und Technische Fachhochschule stehen hier im Mittelpunkt. Im Lichthof der TU wird eine Ausstellung zum 50. Jahrestag der Entdeckung der DNS-Doppelhelix zu sehen sein.

Dahlem: Im einstigen „deutschen Oxford“ wird –neben vielem anderem – eine Sitzung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen simuliert. Ort: der Fachbereich Rechtswissenschaft der Freien Universität.

Mitte: Die Freie Universität präsentiert sich mit ihrer „Science fair“ auf dem Breitscheidplatz, und an der Charité kann man einen Blick in die Pathologische Sammlung werfen.

Wannsee/Potsdam: Das Geoforschungszentrum auf dem Telegrafenberg lädt zu einer virtuellen Fahrt ins Erdinnere ein. wez

Mehr im Internet unter:

www.LangeNachtDerWissenschaften.de

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