Gesundheit : Wissenschaftler über die Wende: Der Chemiker und SPD-Abgeordnete Cornelius Weiss

Der Chemiker war von 1991 bis 1997 Rektor der Univ

Der 3. Oktober 1990 war für mich nur noch die offizielle und feierliche Besiegelung der Wiedervereinigung. Doch begannen sich in die Euphorie des Aufbruchs erste Zweifel zu mischen. Es war spürbar, dass vieles schwieriger wurde.

Besonders das Jahr 1989 war eine stolze Zeit, in der wir uns innerlich befreiten und den aufrechten Gang einübten. Damals wurde auch klar: Wenn die Universität in ihrem Schweigezustand verharrt, wird sie den Weg in die Demokratie nicht finden. Die Hochschule sollte ein Zentrum des Geisteslebens werden. Doch dafür war ein grundlegender Erneuerungsprozess notwendig. Wir hofften, diese Befreiung aus eigener Kraft zu schaffen. Einiges von den Vorzügen des ostdeutschen Hochschulsystems wollten wir übernehmen, wie die bewährten Weiterbildungseinrichtungen, das Fernstudium und das ausgebaute Tutorensystem. Vieles wollten wir vor der Übernahme erst prüfen und diskutieren, um nicht in Abhängigkeit zu geraten. "Dass wir uns dann doch lammfromm als Schüler gezeigt haben, hat dem Ost-West-Verhältnis bis heute nicht gut getan." Am 3. Oktober 1990 habe ich besonders an diejenigen gedacht, die die Wiedervereinigung nicht mehr erleben konnten. Meine Eltern hatten Alpenwanderungen geliebt, von denen sie lange abgeschnitten waren.

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