Gesundheit : Wissenschaftler über die Wende: Der Mathematiker Gerhard Maess

Gerhard Maess

Mit Freude und Erstaunen, dass sich ein Traum der überwiegenden Mehrheit unseres Volkes erfüllt, den noch vor einem Jahr niemand für realisierbar gehalten hätte. ... Mit Dankbarkeit gegenüber Gorbatschow, der die unsinnige Ost-West-Konfrontation beendete. Mit Hoffnung, dass uns trotz aller Schwierigkeiten der Optimismus erhalten bleibt, die negativen Folgen - Sozialabbau, wachsende Kriminalität, Autoraserei, Reklame- und Verpackungsüberfluss - in Grenzen halten zu können, dass die Einheit Deutschlands nicht zu Größenwahn sondern zur Einheit Europas führt. So habe ich vor zehn Jahren die Einheit gesehen. Was ist davon geblieben? Sicherlich die Freude über die friedliche Überwindung der Spaltung Deutschlands und Europas und auch die Dankbarkeit gegenüber allen, die dabei mitgeholfen haben. An die Stelle der Hoffnungen ist eine ganz andere Realität getreten.

Statt gemeinsam eine deutsche Republik mit einer regional ausgewogenen Wirtschaftsstruktur aufzubauen, wurde der Osten weitestgehend seiner tragenden Strukturen beraubt. Anstelle der versprochenen "blühenden Landschaften" entstand ein Absatzgebiet westdeutscher Wirtschaftsunternehmen mit Arbeitslosenquoten und sozialen Problemen nie gekannten Ausmaßes. Auch im Bereich der Hochschulen wurde die Chance verpasst, durch die Vereinigung etwas Neues zu schaffen. Geblieben ist an den Universitäten die Diskussion um eine dringende Reform.

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