Gesundheit : „Wohnheime sind voll“

Studentenwerk: Die Nachfrage wird noch steigen

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Herr Meyer auf der Heyde, in Erfurt haben sich in dieser Woche 120 Experten der Studentenwerke getroffen, um über die Zukunft ihrer Wohnheime zu diskutieren. Hat das Wohnheim überhaupt noch Zukunft? Die Studierenden wohnen doch heute alle in WGs.

Von wegen. Die Wohnheime sind voll, und die Nachfrage wird noch steigen.

Warum?

Weil die Studierendenzahlen generell steigen und weil wir einen höheren Anteil an ausländischen und jungen Studierenden bekommen, durch das Abitur nach zwölf Schuljahren. Beide Gruppen ziehen gerne ins Wohnheim, weil sie weniger Geld haben und den Kontakt zu ihren Kommilitonen suchen. Auch Bachelor und Master machen unser Angebot attraktiv, denn wer viel Präsenzzeit auf dem Campus hat, möchte am liebsten direkt um die Ecke wohnen – und da stehen häufig unsere Wohnheime.

Wie sieht denn das Wohnheim der Zukunft aus?

Ein wichtiges Thema ist natürlich die Kommunikationstechnik, bisher haben 75 Prozent unserer Zimmer Internetanschluss, langfristig wünschen wir uns eine hundertprozentige Abdeckung. Außerdem soll der Zimmerwechsel einfacher werden: Viele soziale Kontakte in Wohnheim-WGs zu Beginn, und wenn die Studierenden in der Examensphase mehr Ruhe brauchen, ziehen sie in ein ruhiges Einzelzimmer um.

Sind Wohnheime vor allem durch ihren Preis interessant, also in teuren Städten?

Gerade in Städten mit Wohnungsmangel wie München oder Frankfurt sind wir mit unseren Preisen von durchschnittlich 176 Euro Bruttowarmmiete im Monat natürlich sehr gefragt. Die Miethöhe richtet sich bei uns nicht nach den Marktpreisen, sondern muss nur die Kosten decken. Aber unsere Plätze sind überall beliebt, schon heute würden gerne mehr als die derzeit zwölf Prozent der Studierenden in einem Wohnheim wohnen.

Bauen Sie denn schon neue Wohnheime?

Ja, allerdings brauchen wir dafür öffentliche Investitionen, die momentan nur spärlich fließen. Wir schauen uns deshalb auch nach privaten Investoren um.

Bedenken Sie auch, dass die Nähe der Uni nicht immer der attraktivste Wohnort ist? In Berlin wohnen die Studis ja lieber in Prenzlauer Berg oder in Kreuzberg.

Das ist uns durchaus bewusst. Grundsätzlich hat für uns die Nähe zur Uni Priorität, aber die Studentenwerke versuchen, ihr Angebot über die Stadt zu verteilen.

Versuchen Sie mal, mich zu überzeugen, in ein Wohnheim zu ziehen!

Bei uns können Sie günstiger wohnen als in einer normalen Wohnung, dazu in der Nähe der Uni und vor allem zusammen mit vielen anderen Studierenden – und da zählt bei weitem nicht nur der Party- und Flirtfaktor. Wer zum Beispiel an Sprachen interessiert ist, findet im Wohnheim eine Menge Gesprächspartner.

Das Gespräch führte Simon Wolf.

Achim Meyer auf der Heyde (53) ist seit 2003 Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks und wohnte in den 70er Jahren in einem katholischen Studentenwohnheim in Freiburg.

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