Gesundheit : Wunder aus dem Wassertank

Für Wellnessangebote gaben die Bundesbürger im letzten Jahr 65 Milliarden Euro aus. Dabei würde oft schon ein Spaziergang reichen, meint der Fachverband

Nora Sobich

Feng-Shui-Söckchen, Bachblütentherapie, Wassertank-Floating, Reiki, Spezialtees oder winzige Wundertabletten zur Linderung von Stress – es gibt wohl kaum einen Wohlfühlwunsch, für den unter der Überschrift „Wellness“ nicht ein kurierendes Zaubermittelchen angeboten wird. Und das mit Erfolg: Allein im letzten Jahr gaben die Bundesbürger 65 Milliarden Euro für Wellness-Produkte und -Dienstleistungen aus, so der Deutsche Wellness-Verband in Düsseldorf.

Der Gesundheitstrend hat sich so rasant verbreitet, dass es mittlerweile schwer fällt, den Überblick zu wahren und die seriösen Angebote von „Nepp“ und kommerzieller Aufschneiderei zu unterscheiden. Denn edle Luxusherbergen lassen sich mit dem Modebegriff genauso effektiv vermarkten wie asiatische Tigerprodukte oder moderne Massagegeräte. Die Sehnsucht nach jugendlichem Wohlbefinden und steigender Aktivität verblendet schnell den kritischen Blick.

Beim Deutschen Wellness-Verband distanziert man sich deshalb auch vehement von marktschreierischen Angeboten, die sich des Begriffs Wellness wie eines Gütesiegels bedienen, wissenschaftliche Erkenntnisse missachten und nur als „Trittbrettfahrer“ des Trends aufspringen. Denn dass inzwischen jeder Supermarkt Streicheleinheiten für Körper und Seele in Form von Dragees, Cremes oder Tees anbietet, hat mit dem ursprünglichen Bestreben der Wellness-Bewegung wenig zu tun. Auch die sporadischen Besuche in edlen Wohlfühltempeln, die für viele zum persönlichen Lifestyle geworden sind, entsprechen nicht unbedingt dem Ansatz der Bewegung, die mit Wellness eine praktizierte Lebensform meint.

Nach den vom Verband gesetzten Idealen soll möglichst jeder mit aktivem, selbst verantwortlichem Handeln für sich das Ziel erreichen, genussvoll gesund zu leben. Die Frage des Preises muss dabei nicht unbedingt eine Rolle spielen. Vielmehr wird Wellness als gesellschaftliches Phänomen definiert, dessen Etablierung für alle sozialen Schichten von Belang ist. Mit großem Optimismus strebt man beim Verband das Ziel an, dass die Menschen durch Aktivierung ihres „biologischen Kapitals“ dauerhaft ihr körperliches, seelisches, geistiges, soziales und spirituelles Wohlbefinden verbessern und so einen besseren Sinn für Genuss und Lebensfreude entwickeln. Das kann schon im Kleinen beginnen – mit einem täglichen Spaziergang in der Natur oder entspannter Körperpflege.

Zur besseren Orientierung im unübersichtlichen Wellness-Angebots-Dschungel helfen neben dem Deutschen Wellness-Verband auch Institutionen wie der Deutsche Heilbäder-Verband mit Ratschlägen und Tipps: Zum Beispiel wie man bei der Auswahl des richtigen Wellness-Hotels ganz praktisch vorgeht, indem man erst einmal klärt, ob auch eine naturnahe Lage des Hotels, ruhiger Nachtschlaf, ökologisch vorbildliche Betriebsführung, Schutz der Nichtraucher oder eine Wellness-Vitalküche mit vegetarischen Gerichten gegeben sind.

Zu den Qualitätsmerkmalen eines geeigneten Wellness-Hotels gehört zudem, ob Bade- und Saunalandschaften, Beauty- und Massageräume, Sport- und Relaxbereiche vorhanden sind. Aus guten Gründen werden die Kunden daran erinnert, die jeweilige Wellness-Behandlungsmethode zuvor mit dem Hausarzt abzusprechen, um mögliche Risiken auszuschließen.

Gerade erst in diesem Jahr hat der Wellness-Verband gemeinsam mit dem Tourismus-Verband, dem Wirtschaftsministerium und dem Hotel-Gaststätten-Gewerbeverband in Mecklenburg-Vorpommern ein aufwändiges Basiszertifikat zur Einschätzung der Wellness-Einrichtungen dieser Region entwickelt. Es soll Verbrauchern die Entscheidung leichter machen. Auch Brandenburg will da jetzt nicht nachstehen und demnächst den Verbrauchern qualifizierte Orientierungsmöglichkeiten bieten.

Weiteres im Internet unter: www.wellnessverband.de

www.deutscher-heilbaederverband.de

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